Mit Kiwi Wonder unterwegs – vom Leben auf 4 Rädern


Jede Reise, jede Wanderschaft ist ein Aufbruch zu neuen Ufern, ein Sprengen der Ketten, die uns an den Felsen des Alltäglichen und Gewohnten schmieden.

Carl Peter Fröhling

Da waren wir nun – mal wieder in der Nähe des Flughafens Auckland. Nicht etwa, um zu verreisen, sondern um unsere kleine Camperin – Kiwi Wonder – bei Traveller’s Autobarn abzuholen, die nun für die kommenden 4,5 Wochen unser Zuhause sein sollte. Vorab im Internet ausgewählt und vorbestellt, erblickten wir sie nun live, nachdem Nicole, Angestellte vor Ort, uns in alles eingewiesen und alles Organisatorische abgeschlossen war.

Schon eigenartig, nun wieder auf eigenen 4 Rädern und zwar im Linksverkehr unterwegs zu sein! Durch Auckland hindurch noch etwas ungewohnt und in Habacht-Stellung, wurde es jedoch nördlich entspannter, als wir aus dem Trubel heraus von der Autobahn 1 auf die Scenic Route Richtung Orewa abbogen. Von da an sollten die kleineren Straßen, die so viel mehr Schönheit bereithalten, unsere Favoriten werden. “Autobahnen” – nicht etwa im deutschen Sinne, sondern eher Bundes- und größere Landesstraßen, versuchten wir zu vermeiden, wo möglich. Es war einfach so viel schöner mitten in der Natur mit oftmals keinen oder wenig anderen Autos auf der Straße. Nach wenigen Stunden war der Linksverkehr kein Problem mehr, so schnell geht Gewöhnung. Täglich haben wir uns mit dem Fahren abgewechselt, machmal auch an einem Tag, wenn die Strecke zu anstrengend war (Wind, Regen, voll befahren, lang) oder die Fahrerin müde war oder keine Lust mehr hatte 😉

An diesem ersten Tag hatten wir uns entschieden, dass wir zunächst in den Norden der Nordinsel fahren würden. Neuseeland besteht aus 2 Inseln – der Nord- und der Südinsel. Auckland liegt nördlich auf der Nordinsel, ebenso Wellington, die Hauptstadt. Sie bildet den südlichsten Punkt der Nordinsel. Insgesamt gibt es ca. 4,8 Millionen Einwohner in ganz Neuseeland – 3,8 davon auf der Nord- und nur 1 Mio. auf der Südinsel. Mit den Schafen verhält es sich andersherum: Millionen von Schafen in ganz Neuseeland, der allergrößte Teil lebt auf der Südinsel. Da Neuseeland zumeist aus Hügeln und Bergen besteht und von allen Seiten von Meer umgeben ist, gibt es vielerlei Wetter hier und ständig wechselnd. Ist die Sonne raus, ist es sehr heiß. Ist es bewölkt, kann es schnell kalt werden. In manchen Gegenden gibt es starke Winde bis Stürme und oftmals viel Niederschlag. Auch die Nächte hatten es manchmal in sich und wir fröstelten in unseren sommerlichen Schlafsäcken (im Camper enthalten) – da war es wieder als Erinnerung an das Nepal/Tibet-Trekking 😉 An vielen Tagen hatten wir Sonne und Wärme – was unglaublich gut tat!

Jeden Tag sind wir so ca. 3h gefahren. Manchmal mehr, manchmal auch weniger. 3x waren wir 2 Nächte an einem Ort, was dann auch mal entspannend war. Im Grunde hat das Fahren schon etwas – unterwegs sein, in Bewegung. Meine Erfahrung ist, dass mit der Bewegung auch der Geist in einen besonderen Modus geht. Er entspannt in Natur und Ruhe. Manchmal haben wir lange Zeit nicht gesprochen, die Eindrücke der Natur draußen genossen und die Weite und ein Gefühl von Freiheit wahrgenommen. Ja, es hat etwas sehr freies, mit der natürlichen Entwicklung des Tages zu gehen und nicht permanent im Uhr-guck-Modus sein zu müssen. Es gab so gut wie keine Termine (außer die Fähre 2x und der Besuch des Coffin Clubs) und alles hat sich mehr oder weniger im Fluss entwickelt: Aufwachen, Orte, die angefahren und besucht wurden, Einkauf, Begegnungen…

Da die Zeit Ende November bis vor Weihnachten noch keine Hauptsaison ist, sind vielerorts wenige bis keine Autos unterwegs. In Ballungsgebieten natürlich schon, wie in und um Auckland oder Wellington. Allein 1,6 von 4,8 Kiwis leben in und um Auckland. Aus diesem Grund sind wir sehr gern die kleinen Straßen gefahren, die im Vergleich zu Nepal in feinstem Zustand sind. Noch heute frage ich mich, wie ich bisher in Berlin leben konnte. (Groß-) Stadt scheint so gar nicht (mehr) mein Ding. Beide wurden wir gestresst in den Städten, egal, wie schön diese auch waren und wie groß – ob Auckland, Wellington oder Dunedin. Die Natur tut so gut und es scheint, als wären die Menschen auf dem Lande oder in Kleinstädten so viel entspannter und wir somit auch. Tatsächlich hatten wir so einige Begegnungen, die uns im Positiven erstaunt haben. Die Kiwis erscheinen zumeist sehr offene und freundliche Menschen zu sein. Ob an der Tankstelle, im Einkaufsmarkt, unterwegs auf der Straße oder auf den Übernachtungsplätzen, Menschen kommen auf uns zu, fragen, wie es geht, ob wir Hilfe brauchen, wohin wir fahren, woher wir kommen und es gibt immer irgendein Erlebnis oder eine Geschichte, die Verbindung schafft. Ich würde es so beschreiben: Man SIEHT sich gegenseitig und nimmt sich insofern wahr, dass es die Zeit, Energie und Muße wert ist, auf das Gegenüber zuzugehen und in Verbindung zu treten. Was bleibt, das ist in jedem Fall eine innere Zufriedenheit, ein gutes Gefühl, sich gegenseitig wahrgenommen zu sehen. Schlechte Laune wird schlagartig zu guter, da Wertschätzung im Spiel ist. Du bist es wert, dass ich meine (gestresste) Lebenszeit unterbreche, um Dich zu sehen. Eine wirklich tolle Einstellung bzw. Kultur, die uns in Deutschland (Berlin!) so gut tun würde, wenn sie mehr entwickelt werden würde. Ein großer Unterschied ist jedoch zur Großstadt wie Auckland, festzustellen. Scheinbar bewirkt eine große Ansammlung von Menschen genau das Gegenteil: Jede/r sucht und kämpft um Platz und Raum für sich, weil alles zu viel ist: Lärm, Gerüche, Menschen, Autos, Eindrücke…das verursacht Stress und bewirkt, dass man sich voneinander abkapselt und oftmals Menschen nicht einmal wahrnimmt bzw. wahrnehmen kann. Das ist wirklich sehr spannend, bei mir selbst und auch bei anderen zu beobachten…

Das Leben in unserer Kiwi hatte natürlich auch einen Ablauf, der sich natürlichweise ergab – allein aus praktischen Gründen. So haben wir z.B. täglich unser Bett abends aus unserem umfunktionierten Esstisch und den Sitzbänken hergerichtet und das Ganze morgens wieder zurückgebaut. Es war jedoch rundherum gemütlich und ich bin sehr froh, dass wir uns für eine Art Bulli-Camper entschieden haben. Nicht breiter als ein Auto, lediglich mit 2,70m höher, sodass man iim Innenraum stehen kann. Ansonsten klein aber fein und sehr praktisch mit allem, was es braucht, ausgestattet und nicht mehr als nötig: kleiner Kühlschrank, Spühle mit Schrank für ein paar Kochutensilien, Mikrowelle (die wir nicht bräuchten), Esstisch, 2 Bänke zum Sitzen und Liegen (Schlafen), in den auch das Gepäck verstaut werden konnte sowie oben eine Art Einlegeboden für ein 3. Bett, was wir als Ablagefläche z.B. für Schlafsäcke, Kissen und Bettlaken nutzen konnten. Eine 3. Person in diesem Auto wäre wahrlich eine zu viel gewesen! So konnten wir auch gut an Regentagen gemütlich im Auto sein, ohne beim Essen oder Kochen nass zu werden. Und es lässt sich super auf der “Küchenbank” liegen und lesen oder aus dem Fenster schauen. Alle 2-3 Tage hielten wir an Frischwasser-/Abwasserstationen, um frisches Wasser über einen Schlauch in den 45l Frischwassertank der Kiwi aufzunehmen und das Abwasser mit einem anderen Schlauch abzulassen. Alles sehr einfach und unkompliziert. Die vielen Stellen, wo man im ganzen Land Frischwasser auf- und Abwasser abladen kann, sind fast alle kostenlos. Manches Mal wird um eine Spende gebeten. Wir waren sehr dankbar, das alles so nutzen zu dürfen.

Super hilfreich – und dafür kann es nicht genug Worte des Dankes geben – ist und war die App “Campermate”, die für jedes Smartphone kostenlos heruntergeladen werden kann. Wir haben sodann einfach die Karte für Neuseeland heruntergeladen und hatten den tollen Luxus, uns von überall unterwegs zeigen zu lassen, wo es was gibt. So z.B. Freedom Camping (kostenlose Parkplätze und Campingplätze) aber auch verschiedene Katgeorien von günstigen bis hochklassigen Campingplätzen, öffentliche Toiletten, Frisch- und Abwasser, Parkplätze für Camper (gut z.B. in Städten), Supermärkte, Plätze, an denen es WLAN gibt, Aktivitäten, wie Wanderrouten etc. Eine wirklich tolle Erfindung, die es uns und vielen anderen leicht gemacht hat, unterwegs alles zu finden, was man so braucht. Erwähnenswert ist auch, dass es neben einfachen Parkplätzen auch wirklich tolle Plätze am Meer oder in den Bergen gibt, an denen man eine oder mehrere Nächte kostenlos mit dem Camper stehen kann. Wir hatten superschöne Sonnenuntergänge und Wanderungen an unserem Camp am Strand, Meer oder sonstwo. Zumeist ist sogar Trinkwasser oder zumindest eine Toilette mit einem Wasserhahn vorhanden, damit man das portable WC tatsächlich nur nachts oder im Notfall nutzen muss. Schöne und ruhige Übernachtungsplätze für unsere Kiwi und uns gab es vielerorts auch in Nationalparks, wo direkt Wanderungen losgingen oder der Ausblick in die Berge aus dem Camper heraus möglich war. Das DOC – Department of Conservation hier in Neuseeland ist sehr bemüht, die Natur sauber zu halten und zu beschützen und gleichermaßen allen Zugang zu diesen Orten zu gewähren. Sicher keine leichte Aufgabe. Wir waren jedenfalls sehr positiv überrascht, wo überall Mülleimer vorhanden sind und wie sauber Gärten, Wälder, Parkplätze, Strände etc. vorzufinden sind.

Neben den vielen großen Campern (auch mal im Übermaß), die wir unterwegs trafen und wohingegen unsere Kiwi sehr klein erschien, haben sich so einige (oftmals sehr junge Menschen) einen Kombi für die Rundreise ausgeliehen. Diese Kombis haben dann im Kofferraum eine Art Konstruktion, die bei Stillstand des Autos und geöffneter Heckklappe herausgezogen werden kann. Dort kann ein tragbarer Gaskocher platziert werden und manchmal ist auch eine kleine Spüle mit einem Wassertank dabei. Ein portables WC, das auch wir dabei hatten (eher für die Nacht), wird auch gern mal auf dem Dach aufgeschnallt. Portables WC, Wassertank und Gaskocher sind Pflicht, um die begehrte, blaue Plakette “self-contained” für das Auto zu bekommen, sodass damit auch auf sog. Freedom Camping-Plätzen, die kostenlos sind, übernachtet werden darf. Hier hat sich seit einigen Jahren allerhand verändert, es ist strikter um die Kultur des Campings in Nueseeland geworden. Wohingegen man vor 10 Jahren noch überall halten und stehen konnte, um zu übernachten, gibt es jetzt klare Regularien und hohe Strafen für Nicht-Beachtung. Dies mag verschiedenste Gründe haben: von Störung der Bewohner*innen, über unangebrachtes Verhalten der Camper*innen (Müll, Lärm…) zu Umweltschutz und Eindämmung der hohen Zahlen an Menschen, die einfach drauflos fahren und es SICH gutgehen lassen wollen. Nun ist alles etwas kontrollierter und ermöglicht eher, die kostenlosen Plätze, die vielerorts immer noch in geraumer Zahl zur Verfügung stehen, sauber halten zu können.

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