Mit Jesus aus dem Retreat in die Welt sowie neue Freundschaft an magischen Orten – so bereichernd

Nach dem einmonatigen Retreat im neuseeländischen Busch ohne Menschen und mit viel Natur und Stille wurden wir schließlich Ende November von Steve, einem Freund von Vijayamuni und somit uns unbekannt, von unseren Hütten abgeholt. Schon ein eigenartiges Gefühl, nach so langer Zeit diesen Ort zu verlassen, sind die Huts „Amida“ und „Tara“ doch ein Stück Heimat geworden. Ich werde die Begegnung mit Steve sicher nie vergessen. Da kam ein etwa Mitte/Ende 50-Jähriger Mann in ein Gewand indianischer Art gehüllt mit langem, grauen Haar und Bart barfuß den kleinen Pfad durch den Urwald hinauf. Mein erster Gedanke war: Jesus ist da. Und das wäre ja keine schlechte Sache, mal mit Jesus ein wenig „abzuhängen“ und Gespräche zu führen 🙂 Scheinbar war er es nicht, stellte sich als „Steve“ vor, und wir kamen ins Gespräch. Mein großer und mein kleiner Rucksack kamen mit, und dann fuhren wir mit einem etwas chaotisch-dreckigen Pickup hinauf, um Sonja mit ihrem Gepäck einzuladen. Weiter ging es dann am Retreatcenter vorbei in die Kleinstadt Thames, wo Steve uns wieder bei Marianne ablieferte, bei der wir bereits die Nacht verbracht hatten, bevor wir ins Retreat gingen.

Obwohl wir uns nur einen Tag kennengelernt hatten, hat uns Marianne erneut und diesmal zwei Nächte bei sich aufgenommen. Und es war eine sehr schöne, gemeinsame Zeit! Zunächst hat sie uns wieder mal bei der Laundrette, dem Waschsalon abgeliefert und später dort nach dem Trockengang wieder abgeholt. Zwischendurch haben wir einen Shop erkundet, der nach dem Konzept des „right lifelyhood“ (rechter Lebenserwerb) der Triratna Buddhist Society betrieben wird. Der rechte Lebenserwerb basiert auf den ethischen Prinzipien des buddhistischen Pfades und bedeutet, keiner Arbeit nachzugehen, die irgendeinem Lebwesen schaden könnte. Dies ist sicher nicht leicht zu durchschauen und erfordert viel Achtsamkeit und immer wieder Überprüfung der Prozesse und Zusammenarbeit mit anderen. Ein Gespräch mit dem Mann an der Kasse ergab, dass er selbst die Hütten im Regenwald mit aufgebaut hat. Wie klein doch die Welt ist! Zum rechten Lebenserwerb sagte er, dass der Shop, in dem es sowohl buddhistsche Bücher und Utensilien als auch Karten, Kleidung und Musikinstrumente sowie Konzerte und Lesungen gibt, sich über die letzten 20 Jahre sehr verändert hätte. Weg vom Handeln hin zu mehr gemeinschaftlichen Aspekten. So in etwa: mehr sharing und caring anstatt zu sehr auf Gewinne zu setzen.

Marianne hat uns ihre Umgebung gezeigt, einen schönen Teil der Coromandel-Halbinsel an der Bucht entlang mit riesigen Pohutukawa-Bäumen, die teilweise bereits ein wenig in roter Pracht standen. Halt machten wir auch an einem idyllischen Ort mitten im Busch, wo sich ein Café ganz aus verschiedenen Holzarten gefertigt malerisch in die Umgebung einpasst. Die Besitzerin, eine etwas exzentrische britische Lady, und ihr Sohn, der Küchenchef, servierten uns feinen Kuchen und Toast. Die Dame machte keinen Hehl daraus, dass ihr die “Jugend” heute zu sehr “Slang” spricht. Sie erwähnte bspw. dass ihr das hier und in Australien sehr verbreitete “No worries” in allen Lebenslagen ein Graus ist.

Nach dem leckeren Nachmittagsmahl fuhr Marianne mit uns an einen weiteren Ort. Was sich hier auftat, ist kaum zu beschreiben! Eine Oase eines riesigen Garten-/Regenwaldgeländes, das von der hier lebenden Künstlerin und Freundin des Lebens und der Natur und ihrem Partner liebevoll gestaltet worden ist – der Mahara Sculpture Park and Pottery. Wir waren 1,5 Std. unterwegs durch die verschiedenen Themenbereiche und ließen uns gern von künstlerischen Aspekten aus Stein, Holz, Ton und anderen Naturmaterialien sowie Skulpturen aus Metall überraschen. Von einem bunten, kleinen Häuschen, vor dem allerhand Getöpfertes mit liebevollen Details angerichtet war, ging es unter Zuhilfenahme eines individuell gestalteten, hölzernen Wanderstockes mitsamt Keramikkopf bergauf und bergab durch den Regenwald. Hinter allen Ecken lauerte eine Überraschung, und wir kamen gar nicht mehr aus dem Staunen heraus. Anschließend gelangten wir auf eine große, saftige Wiese mit Teich und Bank sowie dem Märchenhaus der Künstlerin, welches sich in den verwunschenen Garten wunderbar einpasst. Über einen Bambuswald an einem wilden Fluss entlang kamen wir sodann auf eine große Grünfläche, die verschiedenste Überraschungen bereithielt, wie z. B. einen keltischen Steinkreis und andere Pflanzen, Bäume und künstlerischen Aspekte, die dort zusammenfanden.

Da Marianne ja nunmehr 30 Jahre in Neuseeland lebt, konnten wir und können wir noch immer alle unsere Fragen loswerden, die so auftauchen, wie bspw.: Warum sind die Häuser in Leichtbauweise gebaut mit einfach verglasten Fenstern? Es ist ja z. T. auch sehr kalt und nass in Neuseeland? Wie heißt der Vogel, der so pfeift? Warum gibt es hier so viele übergewichtige Menschen? Wie ist der Umgang mit den Maoris, den Ureinwohnern? Weshalb sieht man so viele asiatisch aussehende Menschen? Wie kommt es, dass die Menschen so freundlich und offen sind? Und, und, und… Da wir eine so gute Zeit zusammen hatten und sooo viel zu bereden, lud uns Marianne ein, nach unseren 4,5 Wochen mit dem Camper, die nun geplant waren, nochmal bei ihr vorbeizuschauen. Das taten wir sehr gern. Nun aber zunächst zur Zeit mit unserer Camperin – getauft: Kiwi Wonder 🙂 im folgenden Teil…

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4 Kommentare

    1. 😉 Leider nicht! Das hatte ich während des Schreibens auch gedacht, wie schön es doch wäre. Da wir aber gerade zu dem Zeitpunkt nach einem Monat aus dem Retreat kamen, war kein Gedanke an ein Foto da…

  1. Das war ja eine wunderbare Frageliste für Marianne…und wo sind ihre Antworten? Die würden mich ja auch sehr interessieren! Sonja – du siehst total glücklich und tiefenentspannt aus auf den Fotos in diesem Blogbeitrag…toll!

    1. Fragen über Fragen – permanent fragen wir sie (wenn wir sie sehen oder in SMS). Vielleicht schreibe ich noch weitere auf. Antworten – puh. Eigentlich haben die Fragen eher Dialoge initiiert, weitere Fragen aufgebracht, zum Nachdenken angeregt. Es gab auf wenige Fragen DIE Antwort. Ich freue mich jedoch schon, die ganzen Themen, die so aufkommen, mit Euch aus Eurer Erfahrung zu besprechen – dann in LIVE UND FARBE 🙂 Und wie schön, dass die Entspannung anzusehen ist. Manchmal ist man selbst überrascht…haha

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