Kathmandu 2: Klosterleben und Kontraste

Nonnenkloster Tek Chok Ling Nunnery

Angeschlossen an dieses Nonnenkloster der Kagyu-Tradition unter der Leitung von Khenpo Tsultrim Gyamtso Rinpoche ist das Dondrup Guesthouse, das mir von einer Bekannten empfohlen wurde. Tatsächlich verbrachten wir die 2 Wochen unseren Aufenthaltes in dieser Unterkunft. Einfach, gemütlich und ganz besonders: Es liegt im Innenhof der Klosteranlage und ermöglicht daher die Teilnahme am spirituellen Programm der Nonnen, die Nutzung der Meditationsräume für eigene Praxis, einen Einblick in den Alltag der Nonnen und wahrlich eine sehr friedvolle Atmosphäre inmitten der Stadt.

65 Nonnen aller Altersstufen ab 4 Jahren leben in dem Kloster. Die Ältesten haben oftmals verantwortungsvolle Positionen in Kloster und Gemeinschaft inne. 21 der älteren Mädchen und Frauen gehen jeden Tag außerhalb in eine Schule und lernen also auch all das, was jedes andere Kind lernt, wie Mathematik usw. Hinzu kommen Tibetisch, Nepalesisch und Englisch. Am Nachmittag und Abend wird das Buddhistische vertieft, wie das Studium und die Meditation buddhistischer Schriften, Vajra-Tanz, tibetisches Yoga sowie verschiedene Gebetspraktiken, an denen wir auch mal teilnahmen. Einige Nonnen, die die Schule bereits hinter sich gelassen haben, arbeiten und helfen im Kloster und im Guesthouse. Mehre Nonnen als auch Nicht-Ordinierte Helferinnen richten das sehr leckere und abwechslungsreiche Frühstücksbuffet her, was für alle Gäste im Preis inbegriffen ist.

Auch ist das Frühstück in den hellen Räumlichkeiten mit kompletter Fensterfront in den Innenhof ein toller Ort, mit der spirituellen Gemeinschaft selbst als auch Gästen von nah und fern in Kontakt zu kommen. So z. B. mit

  • Diane aus Kanada, die buddhistische Philosophie und Ethik für 2 Jahre an der Uni in Kathmandu lehrt
  • Lilo aus NRW, eine Tänzerin im Ruhestand, die sich dem spirituellen Lehrer des Klosters verbunden fühlt und sich bestens in Kathmandu auskennt.Sie bekam nach ein paar Tagen Besuch von einer ca. 6-köpfigen Frauengruppe, für die sie 3 Wochen besonderen Urlaub organisiert hatte – spirituell, kulturell, kulinarisch etc. Das selbsterarbeitete Programm klang toll und fand scheinbar auch in der Gruppe großen Anklang.
  • Fiona aus Dänemark, die sich einem Nonnenkloster bei Kathmandu sehr verbunden fühlt und dort bereits mehrmals Zeit im Retreat verbracht hat, wohin sie auch jetzt weiter ziehen wollte.
  • Eine Gruppe polnischer Yoga-Frauen, die jeden Morgen Yoga vor der Meditationshalle machten und zwischendurch zu Ausflügen außerhalb der Stadt aufbrachen.
  • Birgit aus Deutschland, mit der wir (leider) erst am letzten Tag ins Gespräch kamen und feststellten, dass sie auch für Neue Wege (unser Reiseunternehmen für Tibet/Nepal-Trekking) arbeitet und sich sehr für ein Nonnenprojekt (Lotus Nuns) einsetzt. Obwohl die Nonnen in Nepal heutzutage sicherlich leichteren Zugang zu den buddhistischen Lehren und einem guten Leben als Nonne haben, sind sie nach wie vor stark den Männern (Mönchen) gegenüber benachteiligt. Für die Stärkung der Nonnen in Nepal, um gleiche Rechte und Bedingungen zu erreichen, setzt sich das Lotus Nuns Projekt ein, das von Nonnen begründet wurde, weiterentwickelt wird und von Helfer*innen aus Nepal und dem Ausland organisatorisch und finanziell unterstützt wird.

Das Leben im Nonnenkloster

Morgens von 5-7 Uhr gibt es in der großen Meditationshalle täglich eine Rezitations- und Gebetspraxis (Puja), in der die Praktiken zu Medizinbuddha, der Grünen Tara und Guru Padmasambhava gemeinsam praktiziert werden. Rezitiert und gesungen wird traditionell auf Tibetisch und nicht etwas aus Büchern oder Heften, sondern aus traditionellen rechteckigen Holzeinbänden, in denen die Texte vorder- und rückseitig als lose Blattsammlung eingelegt sind. Da die meisten Nonnen keine Tibeterinnen sondern Nepalesinnen sind, müssen Sie das Tibetische erlernen. Auch wenn die Worte für mich unverständlich waren, so konnte ich doch einzelne Rituale oder Mudras erkennen.

Spannend hier die traditionelle kulturelle Einbettung zu erleben, die in unseren westlichen Zentren des Triratna und Kadampa-Buddhismus nicht mehr relevant ist. Bspw. sitzen alle Nonnen (in Mönchs-Klöstern auch die Mönche) in Meditationshaltung auf Matten auf dem Boden aufgereiht nach Alter: Die Ältesten innen, die Jüngsten außen in einer Reihe. Auch gibt es eine Art Aufseherin (wie auch im Mönchskloster), die frontal zu den jüngeren Nonnen auf einem erhöhten Platz sitzt und das Verhalten während der Praktiken im Auge hat. Hier und da wird auch mal die Disziplin mit einem Blick, einer kleinen Geste oder einer Berührung wieder gerade gerückt. Auch werden traditionelle Instrumente benutzt, wie Muschelhörner, große Pauken, besondere Flöten und Becken, die den Klang der Gebete untermalen. Selbst als wir nicht morgens von 5-7 Uhr dabei waren (in Wirklichkeit waren wir dort 1x! ;-)), so war es ein Genuss im Halbschlaf den Klängen vom Bett aus zu lauschen.

Um 11:30 Uhr gibt es im Gemeinschaftssaal das gemeinsame Mittagessen für diejenigen, die nicht außerhalb zur Schule gehen und auch für Gäste des Gästehauses, die teilnehmen möchten sowie für weiteres Personal, wie diejenigen an Rezeption, in Housekeeping, der Gärtner/Hausmeister oder Menschen aus der Wäscherei. Gekocht wird von einigen Nonnen, die in ihrer Zuständigkeit wochenweise rotieren.

Am Nachmittag von 16:30-18:00 findet tagtäglich eine sog. Beschützer-Gebetspraxis statt, die ähnlich abläuft wie die morgentliche Praxis. Danach gibt es um 18:00 Uhr im Gemeinschaftssaal Abendessen. Wie auch für das Mittagsmahl gilt, dass Nonnen als auch Gäste willkommen sind.

Wir haben uns sehr wohlgefühlt an diesem Ort mit den Menschen – ein bisschen Zuhause nach dem Trekkingtrip. Die Nonnen selbst sind sehr offen und zugänglich; sie haben sich gefreut, von ihrem Alltag und ihrem Erleben zu berichten und sind aber auch ganz normale Mädchen und Frauen, die Gackern, Ausflüge machen, an freien Tagen Essengehen und sich an unserem Leben ebenso interessiert zeigten.

In Kathmandu gibt es allgemein sehr viele „wilde“ Hunde. Wild im Sinne von frei lebend und ohne Zuhause. Das ist schon auch sehr traurig anzusehen, da manche eben auch krank und sehr abgemagert sind. Viele leben dennoch in Rudeln zusammen und haben Orte, an denen sie sich zu bestimmten Zeiten aufhalten. So auch die Hunde, die scheinbar das Kloster als ihr Zuhause auserkohren haben. Tagsüber sind sie unterwegs – wo auch immer in der Stadt, und abends bei Dämmerung kommen sie zurück. Dann geht das Gebell los und zwar die ganze Nacht. Nicht nur die Hunde des Klosters, sondern viele Hunde bellen gemeinsam mit- oder gegeneinander. Wenn man dann des Abends noch über den Hof geht oder sich an anderen Orten der Versammlung aufhält, wie am Stupa Boudhanath, dann gibt es dort ein Gerangel unter den Hunden als auch Gebell gegen Besucher*innen. Tagsüber währenddessen liegen sie alle in der Sonne, schlafen und tun keinen Mucks. Erstaunlich.

Klöster

Über 50 buddhistische Gompas (Klöster) sollen sich im Stadtteil Boudha um den Stupa über die Jahre angesiedelt haben. Im Speziellen nach der Flüchtlingswelle aus Tibet ab Mitte/Ende der 50er Jahre. Eines dieser Köster lag mir bereits vor unserem Besuch am Herzen, da es eine langjährige Verbindung zu der buddhistischen Gemeinschaft hat, die mir nah ist. Außerdem waren mir die außerordentlichen guten Taten einer Praktizierenden Mitte 60, die aus den USA stammt und seit 2 Jahren vollends in diesem Kloster lebt und wirkt, über Facebook zu Ohren gekommen. Das musste ich mir selbst ansehen!

Das Segyu Gaden Phodrang Monastry lag sogar nur 10 Min. Fußweg von unserem Guesthouse entfernt. Das war überraschend und ermöglichte uns mal eben zwischendurch und mehrmals dort hinzugelangen. Eine sehr günstige Gelegenheit ergab sich gleich nach unserer Ankunft, da ein sog. MANI-Retreat (Fokus auf die Meditation und Rezitation des Buddha des Mitgefühls Avalokiteshvara (tib. Chenrezig) sowie auf das entsprechende Mantra OM MANU PADME HUM) stattfand. 10 Tage lang widmeten sich die Mönche in 4×2 Stunden tgl. der entsprechenden Praxis. So verabredete ich mich mit Abby (derjenigen Amerikanerin, die sich dort selbst erwählt um die Mönche kümmert), und Sonja und ich statteten dem Kloster einen Besuch ab.

Das Leben im Mönchskloster

Wir kamen mitten in einer Retreat-Pause und wurden sogleich von einigen jungen Mönchen zwischen 5-8 interessiert beäugt. Einige fuhren mit alten Fahrrädern über den Hof, andere kabbelten sich, spielten Fußball oder streichelten ein winziges Katzenbaby und einen hinkenden Hund mit traurig dreinblickenden Augen, die gerade vor ein paar Tagen aufgenommen worden waren.

Bemerkbar war, dass die finanziellen Mittel des Klosters nicht sehr rosig sind, aber auch, dass es den Kindern gut geht und dass sie sehr zufrieden wirken. Wie ich von Abby hörte, werden die Kinder zumeist in jungem Alter aus ihren Familien ins Kloster gebracht.

Die Gründe sind vielfältig. Zum einen gilt es auch heute noch als glücksverheißend für die Familie, wenn ein Sohn Mönch wird. Oder aber die Familie ist zu arm und gibt einen Sohn deshalb an ein Kloster. Es kommt aber auch vor, dass eine besondere Verbindung zu dem Kloster, zu den Lehrpraktiken oder Lehrern bestehen oder dass bereits andere Mönche der Familie dort leben oder lebten, sodass sich die Eltern für ihr Kind nichts besseres vorstellen können, als das Kind genau dort in die Lehre zu geben. Zumeist sind die Mönche jedoch aus ärmeren Familien aus Nepal, manche haben aber auch tibetischen oder mongolischen Hintergrund. Es muss zunächst schon arg sein, wenn man von den Eltern dort hingegeben wird und man sich dann sehr selten oder gar nicht mehr sieht. Während unseres Besuchs konnte ich beobachten, wie ein etwa 4-Jähriger von seiner Mutter Besuch bekam.

Er sah darüber eher unglücklich aus und sagte nichts. Was in ihm vorging, darüber können wir mutmaßen. Gleichermaßen ist es schön festzustellen, wie die Mönche neuen Zuwachs aufnehmen und sich rührend umeinander kümmern. Außerdem teilen sie so unheimlich gern und alles. Selbst der kleinste Keks wird noch in 20 Stücke zerteilt, damit jeder etwas abbekommt.

Es gibt mehrere einfache Schlafzimmer mit Etagenbetten für 6-10 Mönche. Sie besitzen zumeist kein Spielzeug. In den Zimmern gibt es außer den Betten ein paar Badelatschen für jeden, 2 Sets Roben und etwas Schulmaterial. Die kleinen Mönche spielen in ihrer Freizeit mit Steinen, sie klettern unermütlich auf Bäume, rennen wie der Blitz über das Areal oder spielen Fußball (auch mit uns ;-)), Fangen o. ä. All die Bewegung ist sicher ein guter Ausgleich zu Unterricht, Meditation und Gebet.

Insgesamt leben 63 Mönche ab 4 Jahren dort; die meisten sind zwischen 4-12 Jahre alt. Es gibt einige im Pubertätsalter und auch einige Ältere. Wie Abby sagte, zeigt sich in der Pubertät oft, ob jemand für ein Leben als Mönch bereit ist, denn mehrere verlassen das Kloster oftmals in dieser Zeitspanne ihres Lebens.

Auch im Mönchskloster gibt es einen Aufseher, der während der Gebete und Meditationen die Disziplin der Kleinen überwacht. Es war schon lustig anzusehen, wie nach mehreren Sitzungen der Geräusch-, als auch Bewegungspegel deutlich während der Sitzung anstieg. Es wurde geflüstert, hin- und hergewippt, sich gegenseitig etwas (heimlich) gezeigt, Späße und Grimassen gemacht etc.

Dies ist wohl sehr natürlich bei so jungen Kindern, daher werden hier – ebenso wie im Nonnenkloster – solche Aktivitäten in Maßen geduldet und man erfreut sich eher daran, dass die Kleinen für Kinderverhältnisse ohnehin mehr als geduldig für lange Zeiträume ruhig in Meditationshaltung sitzen. Außerdem gibt es, wenn auch selten, abends einen Disneyfilm zu sehen. Dann versammeln sich alle im Essenraum auf dem Fußboden liegend oder sitzend und zum Teil miteinander in Decken eingeschlungen. Draußen vor der Tür ein Meer von Badelatschen 🙂

Der Lehrer, Palden, selbst erst Mitte 30 übernimmt die Rolle des Lehrers, Vaters und Freund für die Mönche. Er strahlt eine unglaubliche Freude, Gelassenheit und Liebe für seine Schützlinge aus. Er leitete auch das besagte Retreat, an dem wir an 2 Tagen teilnahmen und es sehr genossen. Zum Abschluss des Retreats wurde eine sog. Feuerpuja veranstaltet, was allerhand Vorbereitungen durch die Mönche erforderte. In der speziellen Zeremonie zur Reinigung von Negativität nahmen alle Mönche sowie Praktizierende aus der Stadt und Gäste auf Stühlen im Hof Platz.

Ein weiterer Lehrer saß auf einer Art Thron und 2 jugendliche Mönche reichten nach und nach verschiedenste Zutaten, wie Gerste, Reis etc. in Schalen, die dem Feuer beigegeben wurden. Dieses wurde mit Schöpfkellen voll Öl immer wieder zum Aufflammen gebracht und die Zeremonie von Gebeten und Rezitationen begleitet.

Abby hat mit ihrer liebevollen Art und ihrer hilfsbereiten Einstellung eine unglaublich wichtige Rolle im Kloster und bei den kleinen Mönchen inne – als Mutterersatz, Freundin, Disziplinarin, Erzieherin, Trösterin etc. Gleichermaßen ist sie durch ihre Herkunft aus den USA mit fließendem Englisch und als interessierte, aufgeschlossene Frau eine wichtige Verbindung zwischen Nepal und Europa/Amerika einerseits und traditionellen, kulturell-überlieferten Formen des Buddhismus und modernem Buddhismus andererseits. Nach und nach kommen so bspw. immer mal wieder Menschen wie ich aus Europa, um nachzuspüren, wo unsere buddhistischen Wurzeln herkommen und um zu erleben, wie Klosterleben in Nepal zwischen Tradition und Moderne gelebt wird.

Außerdem kommen sog. Freiwillige (Volunteers) aus Spanien, Holland, Deutschland usw., um ihre Arbeitskraft, Freude und ihre Ideen in das Kloster für ein paar Tage oder Wochen einzubringen. Mittlerweile gibt es innerhalb der Klosteranlage zwei kleine Gästeapartments für solche Gelegenheiten. Diese können aber auch für schmales Geld gemietet werden, wenn man mal in Kathmandu Zeit verbringen und in einem Kloster nächtigen möchte. Der Ausbau und die Öffentlichkeitsarbeit zum Kloster gehen natürlich auch auf Abby zurück. Die letzte Gästin, die auftauchte, war eine scheinbar sogar relativ berühmte Japanerin, die selbständig als Künstlerin im Origami-Bereich tätig ist. Sie faltete mit den kleinen Mönchen 1000 Papierkraniche (Senbazurus), die schließlich in einer speziellen Gebetszeremonie für die Gesundheit und das Wohlergehen von Kindern in der ganzen Welt dargebracht wurden.

Schaut man sich die Geschichte des Origami genauer an – und dies als Lerneffekt für uns alle – so kann der Blick auf das „bloße Falten von Papier“ nochmal in ein ganz anderes Licht gerückt werden:

Ein kleines Mädchen erkrankte an Leukämie nach den schwarzen Regenfällen, die Hiroshima nach Abwurf der Atombombe heimsuchten. Während ihres Sterbeprozesses in einem Krankenhaus wurde sie von einem japanischen Mönch besucht, der sie ermutigte, 1000 Senbazuru (Kraniche aus Papier) zu falten, während sie aufrichtig für ihre Gesundheit beten sollte. Eine überlieferte japanische Legende verspricht, dass jeder, der 1000 Origami-Kraniche faltet, einen Wunsch bei den Göttern frei hat.

Über die Monate, die sie die Kraniche faltete, wurde ihr mehr und mehr bewusst, was in der Welt geschah – Sterben und Zerstörung, und wie viele Kinder während der Weltkriege gelitten hatten und gestorben waren. Ihre Gebete veränderten sich – weg von der eigenen Gesundung hin zu Frieden in der Welt und dem Wunsch, dass kein Kind jemals wieder von einem Krieg betroffen sein oder getötet werden sollte. (Verschiedene Tempel in Japan, darunter auch in Tokyo und Hiroshima, beherbergen ewige Flammen, die dem Weltfrieden gewidmet sind. An diesen Tempeln spenden Schulgruppen oder Individuen oftmals Origami-Kraniche (Senbazuru), die zu den Gebeten für Weltfrieden hinzugegeben werden. Die Kraniche werden hinterlassen, indem sie den Elementen ausgesetzt werden und sich nach und nach auflösen, so wie der Wunsch nach Weltfrieden sich in die Welt freisetzt. Insofern besteht eine große Ähnlichkeit zu den tibetischen Gebetsfahnen.)

Amideva Buddha Park

Diesen versuchte ich mit Abby aufzuspüren und nachdem wir mehrere Leute befragt und in verschiedene Richtungen gegangen waren, kamen wir endlich an einen Platz, der Abby bekannt vorkam. Noch viele Treppenstufen mussten bestiegen werden, bis wir endlich vor den riesigen und goldverzierten 3 Statuen von Buddha Maitreya, Buddha Shakyamuni und Guru Rinpoche (Padmasambhava) standen. Diese thronen quasi über der Stadt und weisen die innere und äußere Richtung. Wir platzierten uns auf einem Mauerstück, um die Schönheit der Statuen zu bewundern.
Meine Aufmerksamkeit wurde jedoch sogleich von den wunderschönen Statuen abgezogen, denn ein kleiner Junge von ca. 3 Jahren, der offensichtlich mit seiner Mutter im Park verweilte, nahm mich voll und ganz in Anspruch. Er stürzte, kaum, dass er mich sah, auf mich zu und freute sich so unglaublich mich zu sehen. Das habe ich noch nie erlebt! Für niemand anderen schien er Augen zu haben. Er wollte bei mir sein, neben mir sitzen und mich umarmen. Ich meinem Leben hat sich bisher noch nie jemand SOOO gefreut, mich zu sehen 😉 Abby war sehr überrascht das Ganze mitzuerleben und sprach noch Tage später davon. Der kleine Junge wollte nicht von meiner Seite weichen, und es fühlt sich auch für mich so an, als hätten wir eine ganz wundersame Verbindung. Immer und immer wieder wollte er von mir umarmt werden und lachte so unglaublich. Dann sollte ich ihm helfen, sich auf die Mauer neben mich zu sitzen. So saßen wir, er hielt meine Hand und ließ mich nicht mehr los. Wirklich eine wundersame Begegnung. Abby war sich sicher, er hatte mich aus einem vorherigen Leben erkannt. Sehr gut möglich, denn so fühlte es sich auch für mich an.

Pharping

Gemeinsam mit Abby und Samantha, einer Holländerin und LKW-Fahrerin mit Leib und Seele, die als freiwillige Helferin (Volunteer) gerade für eine Woche im Segyu Kloster weilte, nutzten wir den vorletzten Tag unseres Aufenthaltes für einen Ausflug nach Pharping. Ein Taxifahrer, der mal als Koch in seiner Jugend im Kloster gearbeitet hatte, fuhr uns ca. 1h durch Kathmandu und über Land und erzählte derweil Geschichten zu Orten oder Personen, die dort leb(t)en und wirk(t)en. Pharping selbst ist keine Stadt im herkömmlichen Sinne, eher ein über mehrere Berghänge gelegenes Areal buddhistischer und hinduistischer Orte und Plätze. Guru Rinpoche (Padmasambhava) soll hier in einer Höhle die Erleuchtung erlangt und Lehrreden gegeben haben. Mehrere Höhlen sind als Orte seiner Meditation ausgewiesen und beherbergen Hand-, Fuß- oder Kopfabdrücke. Sie sind auch heute noch Orte, die Praktizierende anziehen und die zu meditativer Stille einladen.

Des Weiteren gibt es die Höhle der sog. selbsterschienen Tara, wo die buddhistische Gottheit Tara sich selbst aus einem Fels heraus manifestiert hat. Eine kleine Statue, die sich aus dem Fels herauswölbt, bezeugt ebendies. Die Vajrayogini-Gompa war in der Tat schwer zu finden, denn wir verliefen uns mehrmals.

Dazu gesagt: Nepalis antworten IMMER aus Höflichkeit auf Fragen, auch wenn sie die Antwort, z. B. nach Richtungen, nicht wissen ;-)) Wir platzten dann mitten in eine hinduistische Mittagsgesellschaft in einem Innenhof, um in dem dazugehörigen alten Haus über steile Stufen und niedrige Deckenhöhe in wundersame Räumlichkeiten zu gelangen. Dort empfingen uns zwei sehr alte Statuen der buddhistischen Gottheit Vajrayogini, als Manifestation der Weisheit aller Buddha’s gilt.
Über dem gesamten Tal thront erhaben eine riesige goldene Statue von Padmasambhava, die einen schon von weitem begrüßt. Nah heran kommt man nur über ein Kloster, dessen Dach der großen Meditationshalle quasi als Sitz der Riesenstatue dient. Leider hatte das Kloster geschlossen, da Renovierungsarbeiten stattfanden. Unser Taxifahrer verschaffte uns jedoch eigenartigerweise über freundliche Worte Zugang und wir genossen den Anblick sichtlich.

Kathmandu ist BODENSTÄNDIG und unbürokratisch

  • Nicht überall Strom bzw. nicht ausreichend, sodass viele Hotels Generatoren nutzen, um zu überbrücken.
  • Die Straßen sind zumeist unbefestigt, sogar große Hauptstraßen können Sandwege mit Schlaglöchern sein (Staub!).
  • Die Busse und Rikschas sind so voll, wie Menschen hineingehen. Dazu auch gern Kinder, die dann auf „fremden“ Schößen Platz finden.
  • Autos sind so alt und in solchem Zustand wie sie nun einmal sind. Also gibt es auch Taxen, deren Türen oder Fenster nicht verschlossen werden können. Sicherheitsgurte anlegen (nur für die/den Fahrer*in Pflicht), wird sehr selten in die Tat umgesetzt, auf Motorrädern können ebenfalls so viele Menschen (und Tiere) sitzen, wie Platz finden ;-).
  • Alle Elektrokabel für Strom und Telefon führen über Masten durch die Stadt und werden wild und scheinbar ohne System miteinander kombiniert, verknotet und in unauflösbaren riesigen Stromnetzen miteinander verwurstelt. Ein heiterer Anblick und watch out vor herabhängenden Stromkabeln!
  • Lt. Abby dauert es zum Teil ewig, bis die Dinge ins Laufen kommen. Von Genehmigungen, über Handwerker zum Aufraffen, etwas zu starten…

Kathmandu ist OFFEN und freundlich

  • Das Leben findet allgemein auf der Straße statt – auch Läden und Restaurants haben Fenster und Türen geöffnet bzw. der Thekenblick richtet sich nach draußen auf die Straße. Schnell kommt man mit Menschen in Kontakt.
  • Im Gegensatz zu dem, was wir im Norden Indiens erlebten, nämlich das permanente und aufdringliche Betteln, sodass Kontakt über Finanzielles hinaus nicht möglich waren, ist mir Betteln in Nepal/Kathmandu selten begegnet.
  • Nepalis im Allgemeinen scheinen Service/Dienstleistung gewohnt zu sein und bringen einem entweder aus kulturellem oder hinduistisch/buddhistischem Hintergrund (was womöglich nicht zu trennen ist), eine grundsätzliche Freundlichkeit und Höflichkeit entgegen und wirken sehr hilfsbereit (wenn man auch mal falschgeleitet wird, da der Anstand wohl verbietet zuzugeben, dass man nicht helfen kann, da man nicht weiß, wo der Weg langgeht ;-)).
  • Diejenigen, die wir persönlich kennenlernen durften, wie unser Trekkingteam, das Guesthouseteam, Nonnen und Mönche waren allesamt sehr offen und kommunikativ und haben von ihren Familien, Vorstellungen, ihrem Glauben etc. mitgeteilt und Interesse an uns bekundet.

Allerdings gibt es auch vieles, was zu bemängeln und abzulehnen ist, und man kann auch nicht die Augen davor verschließen, dass Nepal zu den ärmsten Ländern Südasiens zählt!

Der langjährige Bürgerkrieg hat die Entwicklung des Landes massiv behindert. Obwohl sich seit 2006 der Friedensprozess entwickelt und das Land unter demokratischer Regierung steht, haben sich die Bedingungen kaum verbessert. Die Korruption ist nach wie vor verbreitet und die Rechtstaatlichkeit muss in Frage gestellt werden, da die staatlichen Institutionen nicht in der Lage scheinen, für Recht und Ordnung zu sorgen. Diskriminierungen aufgrund von Geschlecht, Kaste oder ethnischer Zugehörigkeit sind verbreitet. Behörden verfolgen Menschenrechtsverstöße oft nur schleppend oder gar nicht. Gerichtsurteile werden häufig nicht umgesetzt (Quelle: BMZ 2018).

  • Armut: Nepal zählt zu den ärmsten Ländern Südasiens!
  • Bildung: Die Einschulungsquote liegt mittlerweile bei 95%, allerdings gehen immer noch deutlich mehr Jungen als Mädchen zur Schule und viele verlassen die Schule vorzeitig. Defizite gibt es bei der Anzahl qualifizierten Lehrer*innen. Die fünfjährige Grundstufe einschließlich der erforderlichen Bücher und Schuluniformen ist kostenlos. (Quelle: Auswärtiges Amt 2018)
  • Analphabetismus: Nur etwa 65% der Erwachsenen Nepals können lesen und schreiben. (Quelle: BMZ 2018)
  • Gesundheit/Hygiene: Das Wasser aus der Leitung ist kein Trinkwasser, weswegen gerade wir Touristen jederzeit achtsam mit rohen Lebensmitteln, wie Obst oder Gemüse umgehen mussten, die Kanalisation ist veraltet und marode (WC-Papier darf nicht in die Toiletten, da die Rohre schnell verstopfen), der Müll wird INNERHALB der Stadt auf kleine Müllkippen gebracht, wo Menschen barfuß und ohne großartigen Schutz „arbeiten“ und Nutzbares herausfischen. Hier besteht eine Quelle von Ungeziefer und Infektionsgefahr. Tatsächlich war auch bei uns in der Nachbarschaft eine solche Kippe an einer Kreuzung, die viele Menschen tagtäglich passieren.
  • Krankenversicherung: Seit 2014 gibt es eine nationale Krankenversicherung, die bisher jedoch nur in 25 von 75 Distrikten eingeführt wurde und bis 2022 allen zugänglich sein soll. (Quelle: BMZ 2018)
  • Lebensalter: Durchschnittlich sterben die Menschen in Nepal mit 69,89 Jahren (Zahlen aus 2015, Quelle Statista 2018)
  • Arbeitsschutz/Sicherheit: Es gibt viele Baustellen und überall sieht man zumeist Männer, die ohne Handschuhe, Mundschutz, Schutzbrillen o. ä. mit Maschinen und Werkzeugen in Staub und Dreck wühlen. Der einzige freie Tag ist der Samstag, der dort wie unser Sonntag ist.
  • Zerstörung durch Naturgewalten: Als wäre es nicht genug, wird Nepal immer mal wieder von Erdbeben heimgesucht. Zuletzt im April und Mai 2015. Viele Menschen starben, viele Gebäude wurden zerstört und mühsam wieder aufgebaut (wenn man nichts hat, wovon?). Auch heute noch sind die Nachwirkungen an einigen Orten sichtbar.

Alles in allem hat Kathmandu und die Regionen in Nepal, in denen wir waren, erfreut, für Wunder gesorgt, genervt, überrascht, den Horizont erweitert, Dankbarkeit gegenüber dem eigenen Land entwickeln lassen, Neues und Schönes beschert, angeregt, und und und…
Ein Land voller Kontraste, das fordert und fördert. Wir kommen wieder 🙂

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