Trekking 4: Begegnungen und Unterkünfte

Begegnungen und Grüße

Begegnungen haben diese ganze Reise sehr bereichert. Begegnungen untereinander in der Gruppe, im Kontakt mit unseren Guides, den Sherpas und und und sowie natürlich mit vielen Menschen, die uns unterwegs begegneten.

Einige Orte erinnere ich noch sehr genau, an denen Begegnung in verschiedener Weise mit Einheimischen stattfanden. So z. B. eine “leichte” Tagestour im Nordwesten Nepals über ein weitgestrecktes Tal hin zu einem ausgetrockneten See (hatte was von Nordsee-Watt) in eine wunderschöne Dünen-Landschaft. Von dort kamen wir sodann direkt an den Limi – einen Fluss, der sich durch das Limi-Tal schlängelt und den Bergketten drumherum Leben einhaucht. Kühe, Yaks, Schafe, Hühner, Pferde, Esel etc. weiden dort, und der Fluss versorgt die kleinen Dörfer und somit die Tibeter*innen, die sich dort niedergelassen haben. Der Weg ist seit ewiger Zeit eine Handelsroute nach Tibet – auch noch heute. Es begegneten uns also in den nächsten 4 Tagen Wanderung durch das Limi-Tal hin zum Grenzübergang nach Tibet allerhand verschiedene Personen. Zum Teil Familien, Paare, einzelne Personen in traditioneller tibetischer Kleidung, zum Teil junge Männer oder Paare in sehr moderner Kleidung mit populären Haarschnitten, Handy am Ohr und Turnschuhen. Manche laufend mit Korb auf Rücken bzw. mit Schärpe um die Stirn gelegt zum Tragen der Dinge, auf Maultieren oder gar eine Herde Yaks vor sich hertreibend. In jedem Fall waren wir mittendrin – im Alltag der Bevölkerung, und diese wirkte ebenso interessiert und neugierig wie wir. Man grüßte sich allzeit mit dem Nepali-Gruß “Namasté”, der ja eine wunderschöne Bedeutung hat. Indem man die Hände beim Herzen zusammenlegt, sein Gegenüber anschaut und “Namasté” sagt, spricht man dessen reine Natur an. Es bedeutet: Das Göttliche in mir grüßt das Göttliche in Dir. In Tibet später dann grüßte man sich mit “Tashi Delek” (gesprochen: Taschi Delé), was so viel bedeutet wie “Viel Glück” oder “Möge es Dir wohlergehen”.

Weiterhin kamen immer mal LKW’s, Autos oder Motorräder vorbei – viel mehr in Städten, jedoch auch so einige im Ländlichen. Alle Fahrzeugtypen waren zumeist typisch nepalesisch/tibetisch kunterbunt und seeehr individuell gestaltet. Die LKW’s  waren mit allerhand Malereien am Führerhaus, bunten Wimpel und Stoffen verziert, dazu gab es evtl. noch aufgemalte oder in den Scheiben platzierte Sprüche. Zusätzlich war – ebenso so individuell und kreativ  – die Hintergrundfarbe des Trailers gewählt, worauf die Hauptaussage bzw. das Lebensmotto des Inhabers ihren Platz fand, die in Form von Bildern und Aussagen zentral über die ganze Breite der Seitenwände platziert wurde.

Zwei LKW-Beispiele: Seitenwände in himmelblau und mittendrin ein großes Abbild Buddha Shakyamuni’s – darunter der Slogan “LORD BUDDHA”. Oder: Seitenwände in dunklem grün – dazu die Augen der Boudhanath-Stupa aus Kathmandu riesengroß untermalt mit “Buddha was born in NEPAL.” Die Motorräder auf dem Lande in Tibet sind ohnegleichen gestaltet: Wimpel, Fäden an den Spiegeln, Stoffteile in allen erdenklichen Farben an allen Teilen, an denen man etwas befestigen könnte. Auf der großzügen Sitzbank dann in jedem Fall ein tibetischer Teppich und evtl. Lautsprecher, aus denen tibetische Popmusik ertönt. Ein wahres Erlebnis der Sinne 😉

Rollenbild und Kleidungsregeln

An einem Übernachtungsplatz in der ersten Woche mit knapp über 3.000m Höhe an einem uralten Wald auf einer Lichtung ließen wir uns mit unseren Zelten nieder. Mit einem herrlichen Ausblick auf den wild-rauschenden Karnali-Fluss und den Bergern rundherum genossen wir eine feine Mittagspause. Gleich nebenan standen einige wenige aus Felssteinen aufgeschichtete Mauern, die mit mit einem blauen Wellblechdach bedeckt eine Art “Sommerbehausung” für die vielen Bauern darstellen. Diese bleiben mit ihren Yaks die Monsunzeit über in ihren Häusern und Ställen und wandern während der Sommerzeit (Nov bis April) hinauf auf die Almen, Gegenden, die mehr Gras für die Tiere bieten. So ziehen diese Menschen mit ihren Tieren das Jahr über zu verschiedenen Orten. Sie leben aus unserer Sicht ein einfaches Leben mit wenig Komfort und in eher “unsauberen” Verhältnissen. Jedoch haben sie wohl ein gutes Auskommen für tibetische bzw. nepalesische Verhältnisse auf dem Land.

Yaks sind wohl sehr teuer und mit einer guten Yak-Herde lassen sich Milch und Fleisch gewinnen , für sich selbst nutzen und verkaufen. Häufig auf unserer Reise schlugen wir unser Camp neben einer solchen Siedlung auf oder es sprach sich in Windeseile herum, dass wieder Trekker*innen vorbeigekommen waren 🙂

Somit hatten wir in fast jedem Camp Besuch von Familien und einzelnen Personen oder Kindergruppen, die keine Scheu hatten, uns nah zu kommen. Wir kamen mit Händen und Füßen ins “Gespräch”, manchmal spielten einige von uns mit den Kindern und wir musterten uns genau. In dem besagten Camp legte sich eine von uns des Mittags in Unterhose und T-Shirt für ein Mittagsschläfchen ins Zelt. Sie ließ dabei die Zeltplane geöffnet. Derweil hatten wir “Besuch” von einigen tibetisch anmutenden Frauen jeden Alters, die sich interessiert vorbeugten, in unsere Zelte schauten und mit uns lachten über die für sie sicherlich so eigenartigen Verhaltensweisen unsererseits. Als diejenige von uns in Unterhose erblickt wurde, fing eine der Frauen meinen Blick ein, winkte mich zu sich, griff meinen Arm und zog mich zu dem entsprechenden Zelt, zeigt auf diejenige Person, dann auf ihre eigene Bekleidung und zurück. Offensichtlich konnte sie nicht glauben, was sie sah: Eine Frau “so” nackt. Sodann bedeutete sie mir auch, wir sollten uns doch ein Beispiel nehmen (ich natürlich auch – so wie ich da rumrannte in Trekkinghose und Shirt), dass wir als Frauen etwas mehr auf uns achten und einen Rock tragen könnten 😉 Sehr amüsant in jedem Fall.

Tanz

Zum ersten Mal auch für unseren Guide hat sich ein besonderes Erlebnis in Halji (über 4.000m Höhe), einem Dorf in einem wunderschönen Tal umgeben von Reis-, Gerste- und Buchweizenfeldern ergeben. In diesem Ort steht das angeblich älteste buddhistische Kloster in Nepal – Drikung Kagyu Thubten Rinchenling Monastry – das über 1.000 Jahre alt ist und vom großen Übersetzer Rinchen Zangpo (958-1055) gegründet wurde. Morgens um 7h wohnten wir einer Puja (Gesungene Gebete) an den Buddha des Mitgefühls, Avalokiteshvara, bei, die in traditioneller tibetischer Form von einem Lama des Klosters in Roben in einer Gompa (Meditationsraum) durchgeführt wurde. Anschließend waren wir in das Gemeinschaftshaus nebenan eingeladen, welches mit Holzstehlen und traditionellen tibetischen Malereien geschmückt t den Versammlungs- und Veranstaltungsort des Dorfes darstellt. Auch eine Feuerstelle im hinteren Teil war vorhanden, auf der der Tee in gußeisernen Kesseln zubereitet wurde. In dem Saal, der in der seiner Mitte eine großzügige quadratische Freifläche gen Himmel aufwieß, um die Luftzufuhr und die Abluft der Feuerstellen zu gewährleisten, denn Fenster gab es nicht, erwartete uns die gesammte Dorfgemeinschaft. Die älteren Kinder durften scheinbar später zur Schule gehen und noch ein wenig den kommenden Geschehnissen beiwohnen; die kleinen Kinder spielten miteinander, liefen herum und sorgten für Freude. In Nepal/Tibet haben wir unterwegs immer wieder auch kleine Kinder gesehen. Anstatt Windeln tragen sie hier Hosen mit einem Schlitz, sodass sie schnell ihr Geschäft erledigen können 😉

Die Männer und Frauen hatten ihre traditionelle tibetischen Kleider angelegt, die heutzutage nur noch zu speziellen Tagen und Festen getragen werden. Die Frauen in bunten Kleidern mit Amuletten und schwerem Schmuck, die Männer mit Fellmütze, Stiefeln und Umhang. Uns wurden die besten Plätze an der Stirn des Saales zugewiesen, wo wir einen wunderbaren Überblick über den ganzen Raum hatten. Nicht alle fühlten sich wohl damit, so hofiert zu werden. Dann wurde Nepalitee ausgeschenkt, später der traditionelle tibetische Buttertee sowie Chang (ein leichtes Gerstenbier, das eher nach Federweßer schmeckt) und wir harrten der Dinge, die da kommen sollten. Mit vielen Gesten plänkelten unser deutscher Guide und der Dorfvorsteher, der eine große Autorität ausstrahlte sowie ein offensichtlich junger und in moderner Kleidung gekleideter Mann mit Ipad in der Hand (vermutlich DER Touristikmanager des Dorfes) herum, bevor es endlich losging: Die Frauen und Männer sangen zunächst einige Lieder und tanzten dann in ritueller Weise. Das war tatsächlich sehr bewegend und anmutig. Schließlich wurden wir eingeladen, selbst mitzutanzen. Zu diesem Zeitpunkt waren auch von beiden Seiten die Berührungsängste längst in den Hintergrund getreten. Ausgelassen feierten wir zusammen, sangen und tanzten. Zum Dank sangen wir “Viel Glück und viel Segen” im Kanon. Schließlich durfte, wer mochte, die traditionelle Kleidung anprobieren.

Einige genossen dies sichtlich und tanzten in der neuen Kleidung mit den Tibeter*innen. Wir erfuhren schließlich über z. T. 4 Übersetzungen (Deutsch nach Englisch nach Nepalesisch nach Tibetisch und zurück), dass der Schmuck, den die Tibeterinnen extra zu diesem Zweck angelegt hatten, sehr schwer ist und seeehr kostbar. Angeblich gibt es sogar spezialisierte “Headhunter”, die in die entlegenen Dörfer kommen, um den Frauen ihre über Generationen vererbten Schmuckstücke abzuschwatzen. Den Einheimischen war anzumerken, wie stolz sie auf ihre überlieferten Tänze, die Gesänge in der eigenen Sprache und die Rituale sind. Wie unser tibetischer Guide später in Tibet sagte: Es ist sehr schwer für die Tibeter*innen, ihre Kultur und ihre Sprache zu bewahren. Seit die Chinesen 1959 kamen, ist die Nutzung der Sprache stark rückläufig. Ohne Sprache verbleibt keine Kultur. In der Schule lernen alle Chinesisch, die Jüngeren sprechen heutzutage bereits besser Chinesisch als Tibetisch. Mehr dazu unter dem Themenpunkt “Grenzübertritte und Behördenkrams” in einem weiteren Post ;-).

Volleyball

Unglaublich aber wahr:

  • Es gibt eine Polizeistation im Humla in den Berhängen Nepals auf ca. 4.000m Höhe im Nichts.
  • Diese ist in einem etwas verfallenen, gelben Häuschen untergebracht, auf das jemand mit Stiften oder Farben groß “WELCOME TO NEPAL POLICE HUMLA” geschrieben hat.
  • Mindestens 8 Polizisten, z. T. in Uniform sind dort für ein Jahr ihres Dienstes stationiert.
  • Da womöglich kaum etwas dort oben zu tun ist, haben sie a) vor dem Haus einen Willkommensgruß aus kleinen Steinchen “WELCOME TO HUMLA” ausgelegt und b) Sie lieben Volleyball und haben ein Netz direkt im Garten des Hauses.
  • Da Roman allzeit vor Ideen sprudelt (die nicht nur und immer von jeder und jedem Anklang finden), schlug er direkt vor, wir könnten doch ein kleines Spielchen wagen – Deutschland (Trekker*innen) gegen Nepal (Policemen).

Gesagt, getan. Alle, die sich einigermaßen wohlfühlten, Lust hatten und sich zutrauten, auf 4.000m Höhe Volleyball zwischen all dem Trekking zu spielen, nahmen ungefaire Positionen ein. Und los ging es. Wir schlugen uns wacker, wenn auch die Napalis eindeutigen Trainigsvorsprung hatten. Womöglich kommt außer uns und anderen Trekker*innen niemand vorbei oder huscht ggf. höchstens auf dem Sprung von oder nach Tibet oder in ein Nachbardorf vorüber. In jedem Fall war der Spaßfaktor für Spieler*innen und Cheerleader groß, und wir haben den Policemen sicher einen besonderen Tag beschert.

Zum einschlägigen Video geht es hier.

Unterkünfte in Tibet

Zum Glück waren wir die allermeiste Zeit im Zelt untergebracht!! Nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich dies mal genau so sagen und denken werde, doch unsere Erfahrungen anderer Unterkünfte (in Tibet) lassen keinen anderen Schluss zu. Auch erstaunlich, wie schnell man sich an die “neue” Heimat des eigenen Zeltes gewöhnt (auch, wenn wir jeden Tag eher willkürlich ein Zelt bezogen hatten). Dennoch: klein aber fein, mit bestimmten Abmaßen, einigermaßen sauber und abschätzbar in den Umgebungsbedingungen (Temperatur, Liegekomfort, Gehweg zum WC-Zelt, Sternenhimmel bei Austritt, eigene Flutlichtanlage in Form von Stirnlampe…)

Wohingegen:

Himalaya Purang Hotel

Fakten: Eine Übernachtung nach Grenzübertritt nach China/Tibet, da scheinbar alles einfach mal nur riesengroß in China sein muss, so also auch hier: riesiger Palast mit goldener Plakette in der ebenfalls riesigen Eingangshalle “Ausgezeichnetes Hotel für ausländische Gäste” (Jede Stadt hat EIN Hotel, wo alle ausländischen Gäste untergebracht werden – warum bloß…?!).

Es gab sehr große Doppelzimmer mit sehr großen Betten und großen Plakaten an der Wand mit dem regierenden Kommittee darauf. Und die allgemeine Glückszahl in China scheint die 8 zu sein. Zu dem Schluss komme ich, da JEDER Zimmernummer in JEDEM Hotel/Guesthouese, das wir bezogen, eine 8 vorangestellt war – und dass, egal in welchem Stockwerk das Zimmer lag 🙂

Bad: Klo-Verstopfung in Windeseile obwohl kein WC-Papier in die Toilette geworfen wurde – wird hier nicht weiter ausgeführt 😉

Frühstück: Es gab eine sehr kleine Auswahl in einem riesigen Saal. Unsere Crew hatte vorsorglich unsere Frühstücksausstattung vom Zelten eingepackt, damit wir nicht verhungern mussten.

Family Stay bei Ditila in Toling

Mit dem Bus angekommen in Toling, der nächstgelegenen Stadt des alten buddhistischen Königreiches Guge und der buddhistischen Hochburg in Tsaparang, suchten wir sogleich die Wohnung einer Familie auf, wo wir im Rahmen eines “Family Stay” unterkommen sollten. Roman selbst war auch noch nie bei dieser Familie, und so ließen wir uns überraschen, wie es wohl werden würde. Mit der Öffnung des eigenen Hauses oder der eigenen Wohnung verdienen sich so einige Familien etwas Geld hinzu oder bilden damit sogar die Haupteinnahmequelle der Familie. Wie Roman erwähnte, nehmen viele Familien sehr ungern Gäste aus der “westlichen Welt” auf, da für sie damit allerhand Bürokratie mit der chinesischen Verwaltung einhergeht. Dazu später in einem weiteren Post zu “Grenzübertritte und Behörenkrams”.

Von einer kleinen und engen Straße, in die der Bus kaum hineinkam geschweige denn umdrehen konnte (dafür wurde auch gern mal gemeinsam ein Auto händisch zur Seite gerückt), ging eine noch schmalere Gasse ab, wo wir durch die allzeit offen stehende Haustür sogleich in das Durchgangszimmer Flur/Kochstelle von Ditila und ihrem Mann gelangten. Ditila (Wir merkten uns diesen Namen über die Eselsbrücke “DIe-TIsch-LAmpe”, was keineswegs abwertend, sondern rein praktisch zu begründen ist.) hatte just an diesem Tag Geburtstag. Dies fanden wir nur heraus, da sie, während wir ihr Wohnzimmer mit insgesamt 16 Personen einnahmen, offensichtlich Videowünsche per Chat bekam, die Geburtstagslieder verkündeten. Kurzerhand schmetterten wir gemeinsam (also alle Deutschen 😉 “Viel Glück und viel Segen” (das wir ja bereits während der tibetischen Tänze s. oben eingeübt hatten) sogar im Kanon. Es schien scheinbar zumindest so gut geklungen zu haben, dass Ditila vor Freude jauchzte und uns beim Singen filmte. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht ahnten: Später am Nachmittag bei der Besichtigung des Klostergeländes in Tsparang tauchte dieses Video erneut auf, nämlich auf dem Handy von Ditilas Bruder, der, wie wir sodann feststellten, dort Aufseher war. Auch ihm scheint die Geste gefallen zu haben, denn wir profitierten tatsächlich von der verwandtschaftlichen Verbindung, indem wir auch zu vorgerückter Stunde noch mit einem Kleinbus von der Anlage zurück ins Tal gefahren wurden.

Als wir abends zurück kamen, saßen Ditila, ihr Mann, unser chinesischer Busfahrer und weitere uns unbekannte Personen auf der Couch im Wohnzimmer vor einer laut tönenden, chinesischen Fernsehsendung, die aus einem alten Röhrengerät flimmerte. Wir stellten fest, dass 2 oder sogar 3 (?) weitere Zimmer der Wohnung von chinesischen Gästen belegt waren. Die Toilette fand sich (doppelte Hock-Toilette) außerhalb des Hauses raus aus der Haustür auf die Gasse rechts – und sie war sehr begehrt (u. a. um zu rauchen (Chinesen)). Wir waren es ja eh gewohnt, mindestens zu 2 hinter Felsen und Büschen zu hocken und zierten uns daher nicht, auch hier sparsam mit der Zeit umzugehen und auch mal zu 2 in dem kleinen Raum zu hocken.

Die Nacht hatte es in sich. Alle 8 Frauen unserer Truppe schliefen gemeinsam in einem Raum, die 5 Männer in einem Raum nebenan. Der chinesische Busfahrer schnarchte im Wohnzimmer auf der Couch bei offenem Indoorfenster vom Wohnzimmer in unseren Raum. Des Weiteren lagen dort auf der Couch noch unser deutscher Guide Roman sowie unser nepalesischer Guide Rup Chandra. Irgendwie lustig, krass und doch gemütlich. Klassenfahrt, Familienausflug mit Wohnzimmeratmosphäre – lauter Kitsch drumherum und Pflanzen. Das eigentlich “Bad” war vielmehr ein Waschbecken, um das wir uns vor dem Zubettgehen mit unseren Zahnbürsten und Wasserflaschen rankten und am Morgen ebenfalls zu diesen Handlungen wiedertrafen.

Das Frühstück lässt sich als gelungens Mulitkulti-Projekt bezeichnen: Unsere Camp-Frühstücksausstattung war von der Nepali-Crew mitgebracht worden – Marmeladen und Erdnussbutter – sowie Tee und Kaffee und Toilettenpapier!! kurzerhand gekauft worden, Ditila backte frisches, dünnes Brot und Omelette, und unser tibetischer Guide Phuntsok kochte anschließend auf Ditilas Kochstelle bereits unser Mittagsessen vor – Chowmein Egg (Gebratene Nudeln mit Lauchzwiebeln und Ei).

Hotel Tibetan Temple in einer Kleinstadt irgendwo in Tibet

Fakten: sicher KEIN Hotel, nocht nicht mal Guesthouse, besser: Absteige. Spät am Abend mitten im Nichts benötigten wir eine Unterkunft. In einem Dorf (Kleinstadt?) hielten wir nun. Roman und Rup Chandra gingen sich die Zimmer ansehen, kamen zurück, und Roman meinte: Es ist ok, die Betten sind sauber. Dies sorgte noch nachträglich für allerhand Lacher, denn Fakt war: Es war gruselig!

Zunächst gingen wir über den Hinterhof eine steile Betontreppe hinauf. Während wir hinaufstiegen hieß es von Roman “Achtung, nicht in das Loch fallen”. Oben waren wir auf einer Art großem Balkon des Hauses angekommen, von dem die Zimmer abgingen. Alle Türen waren offen. Alle Männer sollten in einem Raum zusammen schlafen, wir Frauen in einem anderen und die Nepalis, der tibetsiche Guide und Roman in einem anderen. Die “Toiletten” waren im Hinterhof zu finden. Beschreibung dorthin: Man gehe zuerst aus der Zimmertür ohne den Lichtschalter zu betätigen damit man keinen Stromschlag erhält. Auf dem Balkon angelangt steige man zur Linken die sehr steile Metallleiter hinab in den Hinterhof, wo man von weiteren Löchern im Boden, bellende Hunden und herabhängenden Stromleitungen erwartet wird. Sodann steige man einige Stufen zu einem Betonquadrat mit halbhohen Mauern ohne Dach hinauf (das vom Balkon einsehbar ist) und nehme eines der 2 voneinander getrennten Abteile (Männer? Frauen?), um sich schließlich – im besten Fall mit einer Stirnlampe bestückt – über eines der 2 nebeneinander liegenden Löcher zu hocken und sein Geschäft zu verrichten. Der Weg zurück konnte ebenso aufregend werden 😉

Die Wände der Zimmer waren tatsächlich in bunten Farben mit den 8 Glückssymbolen des Buddhismus verziert,

der Boden eher dreckig-schmierig. Es gab einen Lichtschalter, der waagerecht über dem Fenster – also an einer sehr unpassenden Stelle, um ihn zu erreichen – angebracht war. Eine Stromverlängerungsschnur war an einem Kabel angebracht, das keine Isolierung mehr aufzeigte. So sehr wir uns in unser Zelt zurückwünschten, so sehr lachten wir ausgelassen über diese Show, bis Roman hineinkam und sagte, wir sollten uns Jacken anziehen und mit ihm kommen. Natürlich wurden wir sehr hellhörig, wo nun das Abendessen und in welcher Form stattfinden sollte. Es ging jedoch bloß um die Ecke in einen chinesischen Imbiss und dann recht früh ins Bett. Natürlich nicht, ohne dass wir unsere Schlafsäcke in diesen Betten benutzten. Jede versuchte ohne WC-Gang über die Nacht zu kommen. Alternativ hatten wir jedoch unseren Mülleimer aus dem Zimmer zu einem Nachttopf auf dem Balkon umfunktioniert. Entschädigt wurden wir am frühen Morgen im Sonnenschein mit Blick einem grandiosen Blick vom Balkon über die Transhimalaya-Kette in der Ferne.

Phuntsok Rabsal Guest House in Kyirong

Fakten: Mehr Hotel als wir erwartet hatten (nach der Erfahrung mit der Absteige!), Doppelzimmer MIT Dusche (und da schlug das Herz gleich höher) und das ganz unerwartet. Auch hier wieder die Zimmernummer in allen Stockwerken mit einer 8 davor, obwohl z. B. auf dem Zimmerschlüssel “311” geschrieben war, stand dann an der Tür “8311”. Interessant: kein Strom bis zu unbestimmter Uhrzeit. Tatsächlich konnte niemand eine Aussage machen, wann Strom und damit Licht und Steckdose zugänglich werden würden. Gegen 18h war es dunkel draußen und drinnen – im ganzen Haus. Als Outdoor-Erfahrene hatten wir jedoch mittlerweile immer und ständig unsere Taschen- und Stirnlampen dabei. Dusche ging – aber im Dunkeln. In China, wie auch in Nepal, sind in allen Bädern die Duschköpfe ohne eine umgebende Duschkabine angebracht.

D. h. bei jeder Duscheinheit wird das ganze Badezimmer nass – Toilettendeckel ebenso wie ggf. Utensilien, die man normalerweise im Bad erreichbar hat, wie Handtücher, Cremes etc. und natürlich der gesamte Fußboden. Damit lässt sich nach Eingewöhnung jedoch gut umgehen.

Kyirong soll DIE neue Grenzstadt Chinas (Tibets) zu Nepal werden. Die Chinesen sind dabei, eine große und lange (Handels-)Straße von Lhasa aus über Kyirong nach Nepal und schließlich Indien zu bauen bzw. vollziehen sie große Bauprojekte in China (Tibet) und Nepal muss und will nachziehen und nach Indien anschließen, um ebenfalls von dem Handel zu profitieren. Was man beobachten kann: Die Chinesen haben die letzten Jahren bereits eindrücklich Straßen gebaut und forcieren noch immer sehr den Straßenausbau in Tibet. (Mehr dazu gibt es dann in einem weiteren Post zum Thema Busfahrten.) Kyirong soll also eine neue und bekannte Stadt werden, das ist deutlich zu spüren. Viele neue, große und moderne Gebäude wurden aus dem Boden gestampft.

Nach Wochen sehen wir hier zum ersten Mal wieder überhaupt Ampeln. Diese Situation und die Vorhaben zeigen den Anspruch – die Realität ist, dass der Strom (noch) nicht ausreicht. Abends sitzen wir im hauseigenen Restaurant zunächst im Dunkel. Dann werden 3 Akku- oder Batterie betriebene Lampen aufgehängt. Wir bestellen à la carte. Karte. Es gibt die übliche Auswahl: Tibetisch: Thukpa (Gemüsesuppe mit dicken Nudeln), Nepalesisch: Dal oder Thaliset sowie Pakora (frittierte Linsenküchle mit Gemüse), Chinesisch: Chowmein (gebratene Nudeln) in verschiedenen Varianten – Pommes sowie einige weitere Gerichte. Wir warten auf das Essen und warten…dann kommen ein paar Frauen mit Plastiktüten herein und verschwinden in der Küche. In den Tüten sind Blumenkohl und Kartoffeln zu sehen. Eine weitere Frau bringt ein Hühnchen und verschwindet in der Küche. Der erste Teil unserer Gruppe bekommt eine ganze Zeit später Essen: Chowmein mit Hühnchen oder frittierten Blumenkohl 😉 sowie weitere Gerichte. Die Pakora, die einige von uns bestellt haben, lassen eine ganze Zeit länger auf sich warten. Schließlich werden wir aber doch satt. Inzwischen hat der Generator eingesetzt, und es gibt Strom und damit auch Licht! Nachts genießen wir endlich mal wieder ein Bett. Der Generator brummt vor dem Fenster für einige Zeit vor sich hin, bis er wieder verstummt und wir morgens, als wir früh vor 6 aufstanden, im Dunkel der Nacht erneut zu unseren Stirnlampen griffen, um uns für den Tag startklar zu machen. Zum Frühstück wurden tatsächlich in aller Früh vom Personal Pancakes und ein bisschen Omelette sowie ein Becherchen Kartoffelsuppe gereicht.

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