Trekking 1: Kathmandu, Akklimatisierungstrek, Start Trekking in Simikot

Ankommen in Kathmandu

Mit 2 großen Rucksäcken mit 17-19kg und 2 Tagesrucksäcken ging es am 14.09. um 22:20h los mit Quatar Air von Berlin über Doha nach Kathmandu/Nepal, wo wir am 15.09. nachmittags ankamen.

Unsere Kailash-Trekkinggruppe mit insgesamt 16 Personen inkl. Guide, war aus ganz Deutschland von verschiedenen Flughäfen angereist und so trafen wir uns am Flughafen. Dort lernten wir bereits unseren nepalesischen Guide und seine kleine Tochter kennen, der uns ebenfalls die gesamten 4 Wochen begleiten sollte.

Einen ersten Eindruck von Kathmandu verschaffte uns die Busfahrt zum Hotel zu dieser so quirlig wirkenden Stadt mit Stau und – aus unserer Perspektive – chaotischem Verkehrsgetummel, was unser Guide liebevoll als “Dancing Roads” beschreibt. Das Hotel scheint aus längst vergangenene Zeiten im Kolonialstil übriggeblieben und gibt uns für 2 weitere Tage ein gemütliches und entspanntes Zuhause mit einem prächtigen Garten voller faszinierender Früchte und herrlicher Gerüche.

Die Gruppe

Die Gesamtgruppe aus 9 Frauen und 7 Männern (inkl. Guide) scheint bereits ab diesem Zeitpunkt passend zu sein. So klang es schon im Vortreffen in Freiburg an, wo 10 Personen – also längst nicht alle – anwesend waren und so wirkte es auch jetzt. Stimmig und eine bunte Mischung aus Menschen unterschiedlichster Facetten, die jedoch aufeinander Rücksicht nehmen, sich einbringen werden aber auch zurücknehmen können.

Nicht unbedingt selbstverständlich für eine so große Gruppe und zu dem Zeitpunkt noch eine vage Vermutung bzw. Hoffnung, die sich jedoch tatsächlich genauso bestätigen sollte. 4 Wochen waren wir eng an eng zusammen und mussten uns aufeinander verlassen können. Das hat ganz wunderbar geklappt und dafür bin ich auch heute noch sehr, sehr dankbar.

Swayambhunath Stupa

Bereits am gleichen Tag sind wir – auch um nicht dem Jetleg zum Opfer zu fallen – zur Swayambhunath Stupa gelaufen (auch Affentempel genannt), der unweit unseres Hotels lag. Leider war es bereits dunkel, aber die Atmosphäre wurde sehr deutlich – zum einen etwas beängstigend aufgrund der vielen Affen, die sich dort wohlfühlen und uns erschreckten und zum anderen einer der heiligsten buddhistischen Plätze in Nepal, was auch spürbar wurde. Laut der Legende ist der Stupa 2000 Jahre zuvor spontan aus einer Lotusblume inmitten eines großen Sees entstanden. Das größte Abbild Buddha Shakyamunis ist darauf zu sehen und erstrahlt über dem Kathmandu-Tal. Ebenfalls ein wahrlich imposanter Ausblick in die Weite der Stadt und die Stadt umgebenden Berge.

Akklimatisierungstour Shivapuri Nagarjun National Park

Für den  nächsten Tag hatte Roman, unser Guide, eine sog. Akklimatisierungstour geplant, damit wir uns immer mehr den Höhen der noch vor uns liegenden Berge in gesundem Maße nähern können und etwaige Probleme der Höhenkrankheit vermeiden können.

So ging es dann für uns mit Rajun, einem anderen Guide der nepalesischen Partneragentur des Gesamttrips in Nepal, in den Shivapuri Nagarjun National Park bei Kathmandu. Zunächst liefen wir noch sachte bergan durch Dörfer, wo wir den hier lebenden Menschen begegneten: Bauern bzw. Menschen, die ein einfaches Leben führen, die Getreide ernten, deren Kinder mit Schuluniformen die Schule besuchen, die an der Straße mit einem Miniladengeschäft mit Chips, Sweets und sonstigen Dingen des täglichen Lebens anbieten, um sich etwas Geld dazu zu verdienen. Menschen, die stolz ihre Neugeborenen zeigen, gern ins Gespräch kommen und uns ebenso neugierig anschauen wie wir sie.

Im National Park angekommen geht es gefühlte tausende von Stufen mehrere Stunden hinauf in einen wunderschönen Urwald mit Lianen und riesigen, mossbewachsenen Bäumen. Auch ein Nonnenkloster offenbarte sich, welches wir sogleich besuchten.

Auf der Autofahrt zu dem Startpunkt des Trips hatten unsere Fahrer und Guides hier und da angehalten, um regionale Produkte, wie Bananen und Äpfel und Backwerk zu erstehen, was uns nun auf dem Gipfel bei 2.500m ca. an einem heiligen Ort der Hinduisten und Buddhisten die Pause versüßen sollte. Eine tolle Idee – nur, dass ein Schild einige Kilometer zuvor den Ort als “Bagdwar – religious area. Drinks, snacks etc. prohibited” beschrieben hatte, sodass an diesem Ort voller uralter

Relikte und Höhleneingängen religiöser Zuflucht sowie der Quelle des Ganges eigentlich kein Essen und Trinken etc. erlaubt war. Nicht ganz überraschend fing es, kaum, dass wir das Essen ausgepackt hatten, an zu regnen und donnern, und wir verkürzten die Pause drastisch, um mit Regenschirmen den Abstieg anzugehen.

Neben Blutegeln, die es hier im Nationalpark zuhauf gibt und die sich gern auch mal an einem Bein festsaugen und damit zwar eine kostenlose Blutegel-Therapie, jedoch keine Freudensprünge einbringen, gibt es allerhand fremdartige Pflanzen und Tiere zu betrachten, so auch gelbe große Schnecken.

Nervösmachende Gepäckbeschränkung

Vom Abend an, den wir bei einem gemütlichen Abendessen im Hotel verbrachten, bis zum Start zum Trek am Folgetage gab es schließlich nur noch 1 Thema: Kilogramm Gepäck! Hintergrund ist, dass man zwar auf den internationalen Flügen nach Nepal unterschiedlich große und schwere Gepäckstücke mitnehmen darf, nun aber für die nächsten 2 Inlandsflüge in das Himalaya-Gebirge mit kleineren Propeller-Maschinen sowie das anschließende Trekking auf Maultieren das Gepäck auf maximal 15kg pro Person inkl. Handgepäck beschränkt werden sollte. Das Gesprächs- und Denkthema war klar und rührte uns Tag und Nacht. 2 Personen hatten sogar Kofferwaagen!! dabei, die von uns allen gern genutzt wurden. Roman beruhigte uns zwar, dass wir die nächsten Wochen eigentlich kaum etwas brauchen bzw. weitaus weniger brauchen würden, als gedacht und dass wir alle paar Tage an irgendeinem Fluß waschen könnten. Soweit so gut. Alles kam anders. Ja, wir brauchten weniger als gedacht, denn man gewöhnt sich so sehr an das Sein mit der Natur, dass man nicht ständig Wäsche wechseln muss – auch, wenn diejenige, die man am Körper trägt, permanent staubig ist oder schon eine Woche durch allerhand Landschaften getragen worden ist. Katzenwäsche – auch die des Körpers – war schnell Norm.

Körperpflege unterwegs

Morgens und hin und wieder abends gab es für jede und jeden eine kleine Waschschüssel mit etwas abgekochtem Wasser aus Fluss oder See. Nach wenigen Tagen wurde Katzen zu Kätzchenwäsche, was auch total ok und passend war. Je höher in den Bergen, je kälter, desto weniger schwitzt man auch. Dazu später noch mehr und vor allem: zur Toilettenfrage, die uns alle bereits vor der Reise ganz gut beschäftigte.
Diejenigen, die keine eigenen “arktische” Daunenjacken und Schlafsäcke mitgebracht hatten, konnten sich welche ausleihen. Leider hielten diese nicht die Temperaturen, die uns versprochen worden waren.

Inlandsflüge nach Nepalgunj und Simikot

Mittags ging es los mit dem Bus zum Flughafen und von dort zunächst mit einer größeren Maschine nach Nepalgunj in den Südwesten Nepals. Da es hier noch keine Minimalbeschränkungen des Gepäcks gab, waren wir entspannt und warteten geduldig mit vielen Frauen und Männern in Saris und Hemden in der Wartehalle des Flughafens. An den wenigen Schaltern von Yeti und Tara Air für die abgehenden Flüge zeigten Metallschilder das Ziel des Fluges an und wurde wieder abgenommen bzw ausgetauscht, wenn ein Flugzeug abgehoben hatte. Vieles funktioniert manuell und nicht etwa elektronisch. Am Gate gab es Wassergetränkstationen und mittendrin einen Briefkasten sowie eine Buddhastatue mit freundlich-gelassenem Gesichtsausdruck, die zeigt, wie man mit nepalesischer Gelassenheit den ungefähren Abflugszeiten plus minus 1-2h begegnet. Die Sicherheitskontrollen am Flughafen verursachten Schmunzler und Lacher, aber auch besorgtes Dreinschauen ob der Nachlässig- und Sorglosigkeit der Nepalis. Im Grunde piepte es ständig und an allen Maschinen gleichzeitig – das Durchschieben der Gepäckstücke schien eher Makulatur, die Körper(scan)-Kontrolle mit Durchtritt durch Vorhänge war reiner Augencheck.
Der Flug mit Yeti Air sorgte dem Namen nach für Belustigung, zollte uns aber Respekt, da wir gern heil ankommen wollten. Selbst Wasser und Nüsse wurden in der Maschine gereicht; die Himalaya-Kette aus dem Flugzeug brachte Staunen und Freude.

In Nepalgunj war es Abend, als wir landeten, und wir wurden mit einem Bus des Siddharta-Hotels abgeholt. Schwüle Hitze erwartete uns. Die Hauptstraße des Ortes glich eher einer Barackenanlage von Menschen bewohnt, die rund um den Flughafen Geschäfte machen oder dort beschäftigt sind. Staub und trockene Hitze, Kühe und Hunde auf der Straße, tuckelten wir mit dem Bus den Schlaglöchern ausweichend zu unserem Hotel. Das beste Hotel am Platz und nagelneu. Was für ein Haus! Skuriler können die Kontraste nicht sein. Barackengegend, einfaches Leben, eher ärmlich und dann dieser Klotz. Irgendwie schön für uns, weil wir nicht unbedingt mit Doppelzimmern und Dusche gerechnet hatten und gleichzeitig abtörnend, da die Unterschiede im materiellen Haben so offensichtlich sind und nachhallen. In unserem großen Zimmer vergleichbar eines tollen Hotels in Deutschland angekommen, nutzen wir das Handwaschbecken und stellten fest: Der Ablauf läuft ins Leere. Zwar geht ein Plastikschlauch vom Abfluss ab, jedoch hängt er lose baumeld unter dem Waschbecken, so dass das Dreckwasser sich direkt im ganzen Bad ausbreitete. Mit einem Anruf an der Rezeption wurde tatsächlich der “Hausmeister” herangeholt, der flugs ein Gummi aus seiner Hosentasche zauberte und damit den Schlauch am zugehörigen Abflussrohr befestigte. Nun konnte das Abendessen gemeinsam genossen werden – nepalesisches Buffet mit verschiedenartgem Gemüse, Chapati, Omelette etc.
Roman verkündete sodann, dass wir aufgrund von Platzmangel in der Propeller-Maschine nach Simikot am nächsten Morgen nicht alle gleichzeitig fliegen könnten. Zwei Freiwllige wurden gesucht, die sich bereiterklärten, gemeinsam mit dem nepalesischen Guide einen Flug später zu nehmen. Gesagt, getan. Ein Paar war sogar recht glücklich, nicht bereits um 6h aus dem Haus zu müssen.

Am nächsten Tag früh morgens dann das große HALLO um die Kilogramm der Gepäckstücke. Nun wurde es ernst. Im Dunkeln fuhren wir per Bus ca. 15Min. zum Flughafen, der noch nicht geöffnet hatte. Neben uns warteten Angestellte und weitere Fahrzeuge im Dunkeln in einer Schlange vor dem Flughafentor neben Hühnern, Kühen und Hunden auf der Straße.
Los ging es und mit uns strömten weitere Touristen-Trekkinggruppen europäischer Herkunft in das kleine Gebäude. Zunächst wieder eine belustigende Gepäcksecurity über ein automatisches Band in eine historisch anmutende und permanent piepende Maschine. Dann der Höhepunkt: Jede Tasche pro Person wurde an eine altertümliche, schwermetallene Koffewaage gehängt und von mindestens 3 Nepalis beäugt und darüber befunden, ob die Tasche leicht genug für den Flug ist. Und das waren sie! Vor lauter Aufregung haben die meisten von uns dann sogar nur 13-14kg dabei gehabt, und was ich nun nachträglich sagen kann: Eigentlich hätte sogar weniger ausgereicht 🙂 Die nächste Sicherheitskontrolle war nach Geschlecht sortiert und bedeutete, dass jede und jeder sich in der entsprechenden Schlange einreihte, eine Kopie seines Passes dabei hatte und bereit war, diese bei Eintritt in einen Miniraum einer/einem Flughafenmitarbeiter*in zu übergeben.

Security?!

Zusätzlich musste wir unsern Namen, Herkunftsland, Visum- und Passnummer in ein Buch hineinschreiben und mit unserer Unterschrift quittieren. Sodann wurde man auf das Rollfeld entlassen. Die kleine Maschine hatte es in sich. Tara Air – wenn das mal nicht hilfreich sein sollte, dass Tara – ein weiblicher Buddha – die Heldin, deren Augen einem Glückstrahl gleichen, die voller Mitgefühl ist, uns nach Simikot fliegt. 15 Personen flogen auf in die Höhe. Lautstark waren Motor, Propeller und alle anderen Geräusche und Bewegungen zu spüren. Es roch nach Kerosin. Der Pilot und sein Co waren offensichtlich Frohnaturen, die sich regelmäßig nach uns und unserem Befinden umschauten und den Daumen in die Höhe reckten. Dann war jawohl alles gut. Sogar eine sehr ambitionierte Stewardess war anwesend und versuchte uns, die Sicherheitsvorkehrungen nah zu bringen. Emotionale Unterstützung erfuhren wir von einem eigens in grün-weißes Tara-Air-Papier eingewickelten Bonbon.

Der Wilde Westen auf 3.000m

Abgelenkt durch viele “Ahs” und “Ohs” aufgrund der traumhaften Berglandschaften, die sich um uns offenbahrten, war der Flug von 1h sehr kurzweilig, auch, wenn man hin und wieder unsicher war, ob der Pilot auf einen der Berge zu- oder hinübersteuerte. Frohgelaunt im Sonnenschein mit klarster Luft und wunderschönen Blumen und Bergen drumherum landeten wir sodann in Simikot auf ca. 3.000m, wo uns bereits das einen Tag zuvor hergeflogene Koch-, Kitchen-, und Sherpa (Träger) team erwartete. In einer Lodge direkt neben der minikleinen Abflug- und Landepiste durften wir auf dem Dach ein paar Stunden mit Frühstück und Aussichtsgenuss verbringen, da wir ja auch noch auf den Rest unserer Mannschaft warten mussten, die mit dem späteren Flug kommen sollte. Simikot liegt in der Regin Humla – dem “Wilden Westen” Nepals. Die abgelegenen Täler sind noch immer Handelsrouten nach Tibet. Schafe tragen Salz von Tibet nach Nepal.

Flexibilität in allen Lagen

Mit Pancakes und Chapati, Kaffee und Tee im Sonnenschein ließ es sich gut aushalten. Und: Zum allerersten Mal bekam jede und jeder von uns eine eigene Rolle weißes Gold – Toilettenpapier. Wir ahnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie viel Wert WC-Papier auf dem Trip bekommen sollte. Die Stimmung war fröhlich-witzelnd. Wir hatten bereits ein paar Tage zusammen und lernten uns besser kennen. Verwunderlich war nicht, dass uns dann die Nachricht erreichte, unser Restteam sei nicht im nächsten Flieger, sondern im übernächsten. Dies war nur ein klitzekleiner Vorgeschmack für die vielen unterschiedlichen Situationen in den nächsten Wochen, die uns geistige und körperliche Flexibilität abfordern sollten. Gern referierten wir immer wieder einen Absatz des Detailprogramms (allerdings absolvierten wir das Ganze in sehr abgewandelter Form) mit der Reiseorganisation “Neue Wege“:

Eine Trekkingtour in Tibet hat Expeditionscharakter und erfordert gleichermaßen eine behutsame Annäherung, wie auch den vollen Einsatz unserer physischen Kraft und geistigen Wachheit. Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass eine Reise zum Kailash mit sehr vielen Unwägbarkeiten und Risiken (auch gesundheitlicher Art) verbunden ist. Jede/r Teilnehmer/in muss robust und belastbar sein und

sich körperlich gut vorbereiten. Sie/er benötigt Flexibilität, Toleranz, eine gewisse innere Zähigkeit und Durchhaltevermögen, Kooperations- und Erlebnisbereitschaft sowohl den Mitreisenden als auch den Unvorhersehbarkeiten gegenüber. Sie sollten Wandererfahrung in den Bergen mitbringen und trittsicher sein (v.a. bei den Abstiegen). Sicherlich möchten wir damit niemanden abschrecken, aber darum bitten, sich zu prüfen, damit die Tour zu dem großen Erlebnis wird, das sie sein kann.

Ohja, das lässt sich bestätigen – wenn es sich auch im Katalog völlig anders anhört, als wenn es mit Leben gefüllt wird. Für einen Running Gag über Wochen aber der absolute Knaller!

Die Bevölkerung

So warteten wir halt in der Lodge am Flugfeld und nutzten die gewonnene Zeit für einen Spaziergang durch den Ort. Roman kannte bereits aufgrund seiner über 20-jährigen Trekerfahrung in dieses Gebiet allerhand Familien und Menschen des Stammes der Thakuris, nepalesische Hindus. Die meisten Händler und Bewohner nordwestlich von Simikot sind aber Bhotia, vom Tibet her eingewanderte Buddhisten.

Wir durften auf Dächer steigen, von denen aus die Wohnungen zu erreichen sind. Eine Art Terassenbausystem von Wohnungen, das der tibetischen Kultur entspringt. Da wir nun im Nordwesten Nepals unterwegs waren, begegneten uns viele Tibeter*innen, die aus Tibet in diese Gegenden gezogen waren.

Des einen Dach ist des nächsten Wohnung, so lässt sich diese Bauart wohl am besten erklären. Mit eigenwilligen und schweren Leitertreppen aus Holz, die aufgrund von Einkerbungen ihren Zweck erfüllen, erreichen wir nach und nach ein neues Dach und damit den Vorplatz einer Familienwohnung. Einfach und hart erscheint das Leben. Auf 3.000m Höhe in einem Raum lebend als Familie, braun gegerbte Haut von Sonne und Lufttrockenheit, kalten Winden und dem Leben in und mit der Natur. Buchweizen und Gerste wird in der Hauptsache angebaut und auf den Dächern in der Sonne ausgebreitet und getrocknet. Das größte Thema (jedenfalls in Konversation mit uns) – so scheint es – Ehepaar und Kinder. Abgefragt mit Händen und Füßen werden Ehestatus und Kinderanzahl. Wer von uns keinen eindeutige/n Partner*in angeben kann (Mann und Frau – versteht sich), wird kurzerhand mit jemand anderem verbal verkuppelt.

So lustig die ganze Angelegenheit, so ernst doch auch. Wie sehr unterschiedlich unsere Lebenswelten sind. So wichtig für uns die Individualität, die Unabhängigkeit, Job und materieller Wohlstand, so wichtig ist hier das Familienband und der Fortbestand dessen durch Kinder. Niemand hat uns hier je gefragt, welchen Job wir haben. Als wir uns jeweils in der Reisegruppe vorstellten, war dies jedoch eine der wichtigsten Fragen bzw. Antworten.

Start des Treks mit Team und Maultieren

Am späten Nachmittag ging es dann los auf den großen Trip Richtung Dharapuri. Wow! Ca. 18 Maultiere wurden mit unseren Packtaschen, Zelten, Küchenzubehör etc. bepackt und von 6 Horsemen begleitet. Wir 15 Teilnehmer*innen bepackten uns mit unseren 35-40l Tagesrucksäcken (Regenjacken, Schirm, Brillen, Sonnencreme…) Trekkingstöcken, Sonnenhut und sowie einer wiederauffüllbaren Wasserflasche.

Weiterhin im Team waren unser deutscher Guide, Roman Müller, unser nepalesischer Guide, Rup Chandra, und 3 Männer (Sherpas) seines Teams, dazu zwei Köche und eine Meute von ca. 6 jungen Nepalis, die als Kitchenstuff zumeist Küchenutensilien und Essen (z.B. Eier auf Paletten!! ;-)) in Körben auf ihren Köpfen balancierend über Stock und Stein, bei Regen und Schnee bis in ungeahnte Höhen hinauftrugen. Alle gemeinsam – auch wir – halfen beim zumeist täglichen Zeltaufbau, da wir uns ja immer weiter fortbewegten. Wie aufregend der Start und wie spannend die kulturelle Mischung. Selbst das nepalesische Team bestand aus Menschen unterschiedlichster Stämme, wie Sherpa, Gurung und Tamang.

Wanderzeit

Es ist wahrlich nicht zu sagen, wie viele Kilometer wir in den 4 Wochen täglich liefen. Aufgrund unterschiedlichster Bedingungen, wie Höhe der Berge bzw. Anstieg Höhenmeter und damit auch Anstrengung und Luftzufuhr, Beschaffenheit des Weges oder auch mal kein Weg, sondern Geröllaufstieg oder Flußdurchquerung sowie Wetterlage, sagt die Kilometerzahl allein gar nichts aus. Wir haben uns täglich an geschätzten Stunden reiner Gehzeit orientiert und das waren zumeist ca. 5-7, wenige Male weniger, und zum Ende der Reise (in Tibet) viel Fahrzeit mit dem Bus statt wandern.

Der erste Wandertag führte durch unterschiedlichste Landschaft – durch Pflanzengrün, an Berghängen entlang und auch durch Dörfer steil hinab zum Karnali-Fluss und an diesem entlang. Die Maultiere liefen hinter uns und überholten irgendwann. Die Menschen hier in der Region scheinen sehr offen und interessiert. Oftmals sind sie eher traditionell gekleidet, mit aus unserer Perspektive eher dreckiger Kleidung, manchmal Schmuck tragend und je nach Region und Stamm verschiedentlich gestaltet.

Viele scheinen Zahn- oder Knieschmerzen zu haben sowie Augeninfektionen. Lustigerweise sind 8 Personen unserer Truppe aus dem pflegerisch-medizinischen Bereich als Haus- und Tierärzte, Pflegekräfte, Therapeutinnen oder MTA, sodass jederzeit versucht wurde, mit einfachen Tipps und Tricks zu helfen.

Das erste Camp –  Vorbild

Das erste Camp ist noch deutlich in Erinnerung und wurde Vorläufer bzw. Ausgangspunkt und Gewöhnungsmöglichkeit für neue Abläufe rund um das Campen und Trekken. Die meisten hatten zu 2 ein Zelt, andere hatten ein Einzelzelt gebucht. Mehr Wärme versus mehr Platz war der Unterschied, was je nach Ort und Gradzahl von Vor- oder Nachteil war. Dazu hatte jede/r seinen Tagesrucksack und eine Packtasche (gesamt je 13-15kg) sowie eine Matratze, auf der wir abends unsere Schlafsäcke ausrollen konnten. Dazu gab es ein größeres Küchenzelt, in dem erstaunlicherweise fulminate Gerichte für uns auf allen Höhen und in allen Wetterlagen gekocht wurden – das glaubt kein Mensch! Und auch ein Essenszelt für uns war dabei, in dem wir auf Klapphockern an Klapptischen unser Abendessen einnehmen konnten. In diesem Zelt schliefen dann auch die Küchenjungs des Nachts.

An wenigen Orten unterwegs gab es gebäudeähnliche Unterstände, an denen unsere Köche entweder mit Gaskocher oder auf offenem Feuer loslegten, an anderen Orten gab es diese nicht, sodass ein Küchenzelt von Vorteil war. Was mich nach wie vor erstaunt: Mir schien nicht, dass viel Küchenzubehör dabei war für die Zeit und Menge an Menschen, die wir waren. Wie können daraus zumeist 3-Gang-Menüs mit leckeren Suppen, Hauptgang und zusätzlicher Nachspeise (hier und da auch wunderbare Kuchen!) entstehen? Grandios in jedem Fall und für uns alle manches Mal eine rettende Wohlfühlzeit nach sehr anstrengendem Tag.

Die Maultiere waren die ganze Zeit um uns und erholten sich nach z.T. steilem Trip mit Gepäck, indem sie sich nach Abnahme desselbigen wohlig über den Boden rollten, ihre Rücken trockneten und sich über Gras hermachten, das in Nepal auf den anfänglichen Höhen noch ausreichend und saftig grün vorhanden war.

Unser Hauptgetränk während des Trekkings war der sog. Nepali-Tea, schwarzer Tee mit Milch, Zucker und einer nepalesischen Gewürzmischung, der als Nationalgetränk überall bekannt ist. Morgens wurden wir mit “Good Morning – Tea!” geweckt, was quasi unsere Weckfunktion und ein wunderbarer Start in den Tag war – ganz besonderes, wenn es dann in Tibet des Nachts eiskalt gewesen war.

Zum Frühstück kredenzte uns unser Team allzeit frische Chapati (Brot), Pancakes und Porridge (Haferbrei) und überraschte uns des Öfteren mit abwechslungsreichen und regionalen Extras, wie Honig, den es in der Region, durch die wir gerade zogen, gab, oder frischen Joghurt vom Bauern nebenan, Äpfel aus dem Dorf o.a.

Jederzeit wurde unterwegs erworben, was für das Abendessen oder den nächsten Tag benötigt wurde. Was es frisch gab und vorhanden war, daraus wurde ein wunderbares Essen gezaubert.

Abnehmen?

Somit leite ich über zum Thema “Abnehmen” 😉 Denn es heißt ja, aufgrund der Höhe und der vielen Bewegung würde man ABNEHMEN. Soweit zur Theorie. Einige wenige haben wohl abgenommen, da sie das Essen, was es gab, nicht mochten oder vertrugen oder hier und da mit Magen-Darm-Geschichten zu tun hatten. Die meisten haben wohl eher Fettmasse zu Muskelmasse umgewandelt aufgrund der vielen und anstrengenden Bewegung. Niemand hatte es nötig, abzunehmen und wir wurden soooo gut verpflegt, dass es ohnehin fast unmöglich war.

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7 Kommentare

  1. Liebe Katrin & liebe Sonja,
    Aaaah…. na endlich ein Lebenszeichen von euch!!! Wir hatten schon begonnen, uns ernsthafte Sorgen um euch zu machen… wie lange doch 4-5 Wochen erscheinen können, wenn man nur zuhause rumsitzt. Habt Ihr eigentlich Geschichten/Überreste von dem schrecklichen Erdbeben gehört/gesehen, dass Kathmandu vor einigen Jahren heimgesucht hatte?

    Beste Grüße und weiterhin viel Glück und Mut wünschen euch C&A aus dem Berliner Umland

    1. Hallo Ihr 2,
      von dem Erdbeben ist so viel nicht mehr zu sehen – jedenfalls nicht in Kathmandu. Hier und da wird noch rekonstruiert, das bemerkt man. Häuser in der Innenstadt als auch Teile von Tempeln und Wahrzeichen. Auf dem Lande ist da noch mehr zu sehen. Rund um den Langtang National Park z.B. ist wohl allerhand zerstört worden. In einigen Dörfern wird nach wie vor neu aufgebaut. Häuser, Schulen. Unser Guide des Trekkings unterstützt dort einige Projekte. Unser nepalesischer Guide hat erzählt, dass viele Familien (in Kathmandu) mindestens 1 Jahr draußen gelebt haben in Zelten. Er hat sich kurzerhand entschieden, sich ein Bambushaus zu bauen.

  2. Namaste Liebe Katrin,

    ich lese Deinen wunderbaren Bericht über die Nepal/Tibetreise, staune über die treffende Wortwahl, die Beschreibungen von ‘Kleinigkeiten’ wie Klozelt, Porridge etc und fühle mich wieder ganz schnell an die Orte versetzt, die wir bis Purang gemeinsam erlebt/erwandert/genossen/erlitten haben. Es berührt mich sehr und ich bin besonders froh, daß ich Dich und Sonja kennenlernen durfte. Du hast mir während der Tage immer wieder Kraft und Zuversicht gegeben. Bin schon gespannt, wie Du weiterschreibst, besonders natürlich von der Kora, die wir ja nicht erlebt haben.
    Fühle Dich geherzt, liebe Grüße von Eve und Jürgen

  3. Liebe Katrin,
    wunderschöne Eindrücke, schöne Bilder und ein Gefühl Wegbegleiter sein zu dürfen. Wir sind berührt und wünschen weiterhin alles Liebe und Gute. Hier sucht sich die Hospizkultur Ihren Weg,der ebenso beschwerlich ist und unermüdliches Tun verlangt!!!
    Liebe Grüße, Gerda und Christa

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