Das Warriston Crematorium in Edinburgh

Burning for learning, cremation for education – you learn for life!

Zitat eines indischen Mannes an uns, der am Verbrennungsplatz am Ganges in Varanasi (Benares) 2016 neben uns stand.

Nah an unserer Unterkunft gelegen, ließ ich mir es nicht nehmen, das Warriston Crematorium in Edinburgh zu besuchen. Sehr überrascht über das hübsch hergerichtete, alte Gebäude (ich hatte eher etwas Funktionales erwartet), schauten wir uns bei einem Rundgang die gepflegte, parkähnliche Anlage mit lauter besonderen Eckchen an und machten allerhand Entdeckungen.

Geschichte des Krematoriums

Das Warriston Crematorium ist das zweitälteste Krematorium Schottlands. Das älteste, Mary Hill, ist in Glasgow gelegen. Warriston Crematorium gehört zur Edinburgh Crematorium Limited, einem privaten Unternehmen, das ein weiteres Krematorium sowie einen weiteren Friedhof (Seafield) umfasst.

Geplant von der Edinburgh Cremation Society (1918-1928), wurde das sog. Easter Warriston House 1929 von Schottland’s damals führendem Architekt, Sir Robert Stodart Lorimer, (1864-1929) und seinem Partner, John Fraser Mathew, saniert. Die zweigeschossige Villa, die im Jahr 1808 gebaut worden war, hatte bis zur ersten Kremation am 29.10.1929 zahlreiche Veränderungen erfahren, um das Gebäude an die Erfordernisse eines Krematoriums anzupassen. Der größere Raum für Trauerfeiern wurde schließlich nach dem Architekten benannt, um dessen Arbeit wertzuschätzen.

Lokale Behörden sind in Schottland für die Pflege und Erhaltung von Friedhöfen und Krematorien zuständig. Derzeit gibt es 9 Krematorien in Schottland, von denen die Hälfte unter lokaler Zuständigkeit steht. Die anderen sind entweder Kooperationen oder solche, die in Privatbesitz sind. Die meisten Inhaber*innen von Krematorien in Schottland und das zugehörige Personal sind Mitglieder des „Institute of Cemetery and Crematorium Management” und der “Federation of Burial and Cremation Authorities”, womit sie sich für gewisse Leitlinien in ihrer Arbeit verpflichten.  

Bestattungsunternehmer*innen hingegen (Funeral Directors) sind private Firmen, die die Räumlichkeiten und den Service von Krematorien und Friedhöfen nutzen. Es gibt 2 hauptsächliche Verbände, in denen sich Bestattungsinstitute (Funeral Services) organisieren. Die größte ist „The National Association of Funeral Directors (NAFD)”. Die andere ist die „The National Society Of Allied And Independent Funeral Directors (SAIF)”. Zusammengefasst sind 80% aller Bestattungsinstitute in Schottland Mitglied in einer dieser Vereinigungen.

Vorgehen im Falle des Todes und Dokumente für die Kremation

Um eine Kremation vornehmen zu können, muss dem Krematorium ein Antrag auf Kremation, das sog. Formular A, sowie das ausgefüllte Bestätigungsschreiben über die Registrierung des Todes (Certificate of Registration of Death, Formular 14) vorgelegt werden.

Die Registrierung des Todes wird vorher bei der lokalen Behörde vorgenommen und innerhalb von 8 Tagen nach Versterben eines Menschen u. a. unter Einreichung des Totenscheins (medical certificate of cause of death) offiziell registriert.

Eine schöne Schritt-für-Schritt Anleitung „Was ist nach dem Versterben in Schottland zu tun?“ gibt es hier.

Antrag auf Kremation (Application for cremation)

Das Dokument der Antragstellung auf Kremation wird normalerweise von der/dem Erb*in oder von einer/einem nahen Angehörigen – Witwe(r), Elternteil, Kind oder einer/m anderen Verwandten, die/der bei der/dem Verstorbenen lebt – ausgefüllt. Wenn jemand anderes die Kremation beantragt, dann muss erklärt werden, in welchem Verwandtschaftsgrad diese Person mit der/dem Verstorbenen steht und weshalb kein/e nahe(r) Angehörige(r) oder die/der Erb*in den Antrag stellt.

Die beantragende Person muss folgende Fragen beantworten:

  1. Hat ein/e Verwandte(r) der/des Verstorbenen Bedenken gegen eine Kremation geäußert? Welche und auf welcher Basis?
  2. Datum und Uhrzeit des Todes
  3. Wo ist die Person verstorben? (Adresse und Angabe des “Settings”, wie Pflegeheim, Zuhause, Hospiz etc.
  4. Wissen Sie oder haben Sie die Vermutung, dass der Tod der/des Verstorbenen direkt oder indirekt durch a) Gewalt b) Vergiftung c) Mangel, Not oder Vernachlässigung herbeigeführt worden ist?
  5. Wissen Sie oder haben Sie die Vermutung, dass der Tod der/des Verstorbenen unter einer Narkose geschah?
  6. Gibt es einen Grund zur Annahme, dass die Überprüfung der sterblichen Überreste (Obduktion) erwünscht ist?
  7. Angabe des Namens und der Adresse der Person, die die/den Verstorbenen für gewöhnlich medizinisch begleitet hat.
  8. Angabe des Namens und der Adresse der/des medizinischen Verantwortlichen, die/der die verstorbene Person in der letzten Lebensphase versorgt und begleitet hat.

Des Weiteren wird die Einschätzung von Gefahren und Risiken erfragt, die mit ja/nein zu beantworten sind:

  1. Stellt der Körper der/des Verstorbenen ein Risiko für die öffentliche Gesundheit dar?
  2. Befindet sich ein Herzschrittmacher oder ein anderes potenziell explosives Gerät im Körper der/des Verstorbenen?
  3. Ist radioaktives Material oder anderes gefährliches Implantat im Körper der/des Verstorbenen vorhanden?

Wurde eine der letzten 3 Fragen mit „Ja“ beantwortet, so muss sich die antragstellende Person näher zu den Hintergründen erklären, sodass herausgefunden werden kann, ob der Leichnam kremiert werden kann.

Räumlichkeiten und Trauerfeier

Für die Trauerfeier  oder/und die Beisetzung der Asche benötigt das Krematorium von der antragstellenden Person weitere Angaben in einem weiteren Formular, wie:

  • Welche Räumlichkeiten werden für die Trauerfeier gewünscht? Je nach Art der Trauerfeier und Anzahl der teilnehmenden Personen – offen für alle, ganz privat im kleinen Kreis, nur Familie, nur auf Einladung etc.
  • Was soll mit der Asche geschehen?
    • a) Beisetzung in einer privaten Ecke oder in einem Urnenfeld des Friedhofs auf dem Areal des Krematoriums
    • b) Aufbewahrung bis zur Abholung des Bestattungsinstituts (Funeral Service) in einer Plastikurne oder in einem hölzernen Kästchen
    • c) Postversandt zum Bestattungsinstitut in einer Plastikurne oder in einem hölzernen Kästchen
    • d) Verstreuen der Asche auf dem dafür bestimmten Areal des Krematoriumgeländes
  • Soll es eine Kollekte geben? Wenn ja, für welche/n Verein/Wohltätigkeitsorganisation (Charity) ist das Geld bestimmt?

Außerdem gibt das Krematorium Informationen zur Einhaltung der Umweltvorschriften, wie die Anzahl maximaler Kremationen pro Tag im Zusammenhang mit der Reduktion von Emissionswerten, und zur Verwendung von metallenen Gegenständen (künstliche Gelenke). Diese werden jeweils aus der Asche entfernt, von allen Krematorien in Großbritannien aus an einen zentralen Recyclingort verbracht und der Erlös an ausgewählte Wohltätigkeitsorganisationen gespendet.

Die Asche

Wie wird Asche in Schottland definiert?

„Alles, was in der Brennkammer/Auskühlkammer (je nach Ofen) (English: cremator) nach Ende des Kremierungsprozesses und nach Entfernung metallener Gegenstände verbleibt“

Ausstattung und Service

Die Trauerfeier findet für gewöhnlich in den Räumlichkeiten des Krematoriums statt. Es gibt zwei Feierhallen – „Chapel“ genannt: the Lorimer mit Platz für 230 Personen und the Cloister für 60 Personen. Beide haben eine Lautsprecheranlage, sodass Gäste, die aufgrund von Platzmangel außerhalb vor den Feierräumen verbleiben müssen, zuhören können. In der großen Chapel steht eine Orgel zur Verfügung.

Die Räume für die Trauerfeiern sind 6 Tage/Woche nutzbar – Montag bis Samstag. Trauerfeiern sind standardmäßig 40 Minuten lang. Dazu kommt eine 20-minütige Ausklangphase, sodass die nachfolgende Feier pünktlich beginnen kann. Die Räumlichkeiten sind konfessionslos gestaltet, damit Menschen aller Konfessionen bzw. ohne Konfession diese nutzen können.

Trauerfeiern können per Webcast live und bis zu 28 Tage nach der Trauerfeier übertragen werden.

Bestattungsarten und Erinnerung

In Großbritannien besteht keine Beisetzungspflicht, d. h. der Leichnam einer/eines Verstorbenen muss nicht beigesetzt werden und kann daher z. B. in einer Urne Zuhause aufbewahrt oder auch verstreut werden.

Sollte jedoch eine Urnenbeisetzung erwünscht sein, ermöglicht das Warriston Crematorium verschiedenste Möglichkeiten der Urnenbeisetzung in wunderschön gestalteten Grabstellen und Grünanlagen auf dem Gelände sowie die Verstreuung der Asche auf dem Gelände.

Book of Remembrance – das Buch der Erinnerung

Das Buch der Erinnerung befindet sich in einem Raum nahe der Cloister Chapel. Die Seiten sind aus besonderem Papier hergestellt, deren Ecken mit 24-karätigem Gold verziert sind. Einträge in das Buch werden mit großer Sorgfalt und nur von hochqualifizierten Künstlern der Kalligrafie handgeschrieben in schwarzer und roter Tinte vorgenommen. Auch eine Touchscreen-Variante des Buches vor Ort sowie eine Online-Version über Internet ermöglichen die Einsicht der Inschrift über einen persönlichen Zugangscode.

Elterwater Panels – Schiefertafeln

Die “Elterwater”-Tafeln aus grünem Westmoreland-Schiefer sind im Außenbereich des Haupteingangs nahe der Lorimer Chapel angebracht.

Planters – Pflanzenkübel

Die Pflanzenkübel sind am Eingang des Rosengartens zu finden. Sie sind achteckig und jeder Kübel trägt die Asche sowie entsprechende Gedenktafeln Verstorbener aus grauem Granit. Auch ein Foto kann aufgebracht werden.

Rose Bushes – Rosensträucher

Jedes Jahr wird eine neue Reihe Rosen gepflanzt. An jedem Rosenstock kann eine Urne bestattet und eine Gedenktafel vergeben werden. Außerdem steht jeweils eine Vase für frische Blumensträuße zur Verfügung.

Sanctum Vaults – heilige Gruft

Die “heiligen Gruften” sind im sog. “Water Garden” (Wassergarten) gelegen und bieten Platz für 2 Urnen. Die dazugehörigen Grabplatten sind aus grauem Granit gefertigt und ermöglichen eine Inschrift aus 23-karätigem Gold. Zusätzlich kann eine Fototafel angebracht werden.

Stone Panels – Steintafeln

Die Steintafeln sind in dem Raum angebracht, in dem das Buch der Erinnerung zu finden ist. 2 verschiedene Arten von Tafeln sind verfügbar – walisischer blauer oder schwarzer Stein und grüner Westmoreland Stein.

Vase Blocks – Vasenblock

Diese sind Blöcke, hinter denen die Urnen verwahrt werden. Die Blöcke sind mit einer Gedenktafel und mit einer Vase davor versehen, in die frische Blumen gestellt werden können.

Wood Panels – Holztafeln

Die Holztafeln befinden sich in einem Raum unter der Lorimer Chapel. Auf ihnen kann ein Foto, eine Blume oder Karte angebracht werden.

Alle hier benannten Arten der Urnen- oder Aschenbeisetzung bzw. Inschriften auf Gedenktafeln bei Ascheverstreuung können für eine Zeitdauer von 10 Jahren gewählt werden und ggf. auf Wunsch danach verlängert werden. Lediglich die namentlichen Gravuren der Stein- und Holzplatten sind auch für eine Dauer von 25 Jahren erhältlich.

Verstreuen der Asche auf dem Areal des Friedhofes

Dies wird durch Mitarbeiter*innen des Krematoriums in der Woche nach der Kremation in Abwesenheit von An- und Zugehörigen durchgeführt.

Abholung der Asche

Die Asche der/des Verstorbenen muss nicht zwangsläufig auf dem dazugehörigen Friedhofsgelände bestattet werden, sie kann von dem zuständigen Bestattungsinstitut in einer Plastikurne oder einer hölzernen Schatulle abgeholt und an einem anderen Ort bestattet werden oder sogar Zuhause oder an einem anderen Ort aufbewahrt oder verstreut werden.

Kann bis zur Kremation keine Entscheidung über die Art der Beisetzung sowie den Ort getroffen werden, kann die Asche bis zu einem Monat im Krematorium aufbewahrt werden.

Gemütlich auf der Bank – Parkplatzsystem

Wir saßen noch gemütlich auf einer Bank und beobachteten die mit ihren Autos auf das Gelände fahrenden und wartenden An- und Zugehörigen zweier Verstorbener, deren Trauerfeiern gerade in den beiden Trauerhallen im Gange waren – in diesem Fall als Sargbestattung und ohne Kremation. Das Krematorium wird also offensichtlich auch einfach als Aurichtungsort für Trauerfeiern genutzt. Diese Menschen bzw. ihre Autos wurden von 2 neongelb “Bewesteten” jeweils in verschiedene Fahrspuren, die auf dem Asphalt aufgemalt sind, eingewiesen.

Zum einen sehr angenehm festzustellen, dass das Gelände des Krematoriums zu seinen Öffnungszeiten für die Allgemeinheit zugänglich ist und somit als Spazier- und Ruheort genutzt werden kann – Holzbanken und gemütliche Ecken laden zum Verweilen ein. Zum anderen hochspannend, das Park-, Fahr- und Einweisungssystem des Parkplatzes zu beobachten. Aus den verschiedenartigen Linien wurden wir nicht so ganz schlau, konnten aber eindeutig erkennen, wie durchdacht das Ganze ist. Schlussendlich kann der Leichenwagen rückwärts zur Trauerhalle stehen und trotz der in Ausfahrtrichtung in Schlangen eingewiesenen und parkenden Autos direkt nach Ende der Trauerfeier an alle Autos vorbei als erstes das Gelände vergessen. Alle anderen Gäste sind sodann entspannt in der Lage, dem RICHTIGEN Leichenwagen nacheinander als Begleitkonvoi zu einem Friedhof zu folgen.

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