Death Walk – Friedhöfe in Edinburgh

Tod:

Der Tod lächelt uns alle an, das einzige was man machen kann ist zurücklächeln! 

(Marcus Aurelius)

Während unserer Spaziergänge durch die Stadt kamen wir an vier sehr unterschiedlichen und interessanten Friedhöfen vorbei:

Old Calton Burial Ground

Der erste Friedhof, der uns beim “Aufstieg” nahe des Bahnhofs in Richtung Nelson Monument, einer historischen Säulenanordnung zum Gedenken an einen Admiral auf dem Calton Hill, ins Auge fiel, ist der Old Calton Cemetry. Nicht besonders groß, jedoch über mehrere Ebenen in die Hügellandschaft eingepasst und umgeben von Wohn- und Bürohäusern sowie dem trubeligen Stadtleben, wirkt er wie ein vergessener Ort.

Grabstellen ab dem Jahr 1718 , dem Jahr der Eröffnung, sind in unterschiedlichsten Ausführungen in oftmals verfallenem Zustand vorhanden. Grabsteine, Säulen und vor allem Familiengrabstätten, die etwas Sichtschutz und Rückzugsmöglichkeit bieten, scheinen Zufluchtsorte wohnungsloser Menschen zu sein.

Friedhöfe bilden doch oftmals anschaulich die Entwicklungen der Gesellschaft ab, so auch die religiös motivierte Diskriminierung von Juden vergangener Jahre. Hier ein anschauliches Beispiel zum Thema Bestattung: 1795 erbat Herrmann Lion, ein jüdischer deutscher Zahnarzt, der 1788 nach Schottland ausgewandert war, und nicht auf einen christlichen Friedhof bestattet werden durfte, von dem Town Council of Edinburgh (Regierungsbehörde) ein kleines Stück Land zum Kauf, auf dem er sich und seine Familie bestatten lassen wollte. Schließlich wurde er für 17 Pfund Sterling Besitzer eines kleines Stück Land am Calton Hill, das “Jews Burial Vault Lyons Family = Jüdische Grabkammer der Familie Lion” genannt und auch so auf Landkarten verzeichnet wurde. Das Grundstück liegt nahe des Calton Burial Ground am Aussichtspunkt.

Old Calton Burial Ground ist schon von weitem sichtbar, ragt doch ein langer Obelisk in die Höhe – Martyr’s Monument. 1793 erbaut, erinnert er an einige Menschen, die sich bereits in frühen Jahren für das allgemeine Wahlrecht und die Rechte des “kleinen Mannes” einsetzten.

Sie wurden angeklagt, mit den Franzosen kooperiert zu haben und daraufhin in die Verbannung nach Australien geschickt. 

Ein weiteres imposantes Monument auf diesem Friedhof ist das American Civil War Memorial, auch Scottish-American Soldiers Monument genannt, das 1893 in Erinnerung an schottische Soldaten, die im amerikanischen Bürgerkrieg gekämpft hatten und gestorben waren, gebaut wurde. Es besteht aus einer Statue Abraham Lincoln’s zusammen mit einem befreiten und dankbaren Sklaven bei seinen Füßen. 

Warrington Cemetry

Warrington Cemetry liegt nur unweit des Warrington Crematorium, das mir direkt am ersten Tag mit einem Hinweisschild ins Auge fiel, und das nur wenige Minuten zu Fuß von unserer Unterkunft entfernt und abseits des trubeligen Stadtlebens liegt.

Dieser Friedhof erscheint ziemlich groß und von vielen alten Bäumen gesäumt, die, immer dann, wenn man sich am Ende wähnt, einen neuen Pfad zu weiteren Gräbern freigeben.

Mysteriös mutet die Stimmung an, uralt und verlassen das Areal. Die Grabstellen scheinen vollkommenen der natürlichen Veränderung überlassen. Es wirkt, als hätte seit vielen Jahren niemand diesen Ort betreten.

Wege führen eher als Trampelpfade durch die waldähnliche Anlage, die von einer alten Friedhofsmauer umgeben ist. 1857 eröffnet, ist dieser Friedhof der jüngste der vier vorgestellten, wirkt jedoch, als sei er der älteste. Womöglich ist dies der Tatsache geschuldet, dass viele Gräber Soldaten des ersten und zweiten Weltkrieges beheimaten oder beheimateten, und diese Gräber eher als Mahnmal dienen.

Sie verbreiten das Gefühl einer anderen, verlorenenen Zeit. Unwirklich und doch da. Die vielen Tode, die durch die Gewalt des Krieges geschahen, sind hier in ihrem Nachklang deutlich spürbar.

The Parish Church of St. Cuthbert

Die Kirche St. Cuthbert und der dazugehörige Friedhof liegen mittendrin zwischen Einkaufsmeilen nahe des Bahnhofs. Die Kirche gehört zur Church of Scotland (Kirche von Schottland) und ist somit eine sogenannte presbyterianische (reformierte) Kirche.

Die Church of Scotland wird im allgemeinen, informellen Sprachgebrauch „the Kirk“ genannt. Sie ist nicht, wie die (anglikanischeChurch of England, die etablierte Staatskirche, hat aber als die über die Jahrhunderte vorherrschende Kirche den Charakter einer Nationalkirche und immer noch eine besondere Stellung in Schottland.

Das, obwohl weniger als 7 % der Einwohnerschaft Schottlands Mitglied ist. Bei der Volkszählung von 2014 gaben jedoch 27,8 % der Schotten an, sich der Church of Scotland zugehörig zu fühlen.

Die Kirche hat Gemeinden in allen Teilen Schottlands, aber auch einige Gemeinden in England sowie 15 Gemeinden außerhalb des Vereinigten Königreichs. Die Gemeinde für den deutschsprachigen Raum hat ihren Sitz in Bochum.

Greyfriars Kirkyard

ist der Kirchhof, der die Greyfriars Kirk in der Altstadt Edinburghs umgibt. Die Friedhofsmauern bzw. Grabstellen ragen zum Teil in die Häuser der Umgebung hinein und verschmelzen mit ihnen. Einige Fenster umliegender Häuser geben den Blick direkt auf die unebene und mit Bäumen gesäumte Grünfläche frei.

Begräbnisse finden hier seit dem späten 16. Jahrhundert statt. Auch eine Reihe prominenter Edinburgher ist hier begraben. Der Friedhof wird gemeinsam von der Stadtverwaltung sowie einer gemeinnützigen Vereinigung betrieben und ist mit seinen Monumenten in der schottischen Denkmalliste in der höchsten Kategorie besonders wertvoller und international wichtiger Denkmäler gelistet.

Der Name Greyfriars geht auf das Franziskanerkloster zurück, das sich hier befand und 1559 aufgelöst wurde. Der Kirchhof wurde 1561–1562 eingerichtet, um den vollen Friedhof von St Giles’ Cathedral zu entlasten.

Am Südende des Friedhofs finden sich hauptsächlich geschlossene Grabgewölbe, die durch Mauern oder Eisengitter geschützt sind, um Leichenräuber abzuhalten. Im frühen 18. Jahrhundert war der Raub und Verkauf von Leichen für anatomische oder medizinische Zwecke ein einträgliches Geschäft. Erst der Anatomy Act von 1832, der die legale Nutzung von Leichen zu anatomischen medizinischen Zwecken durch Mediziner unter bestimmten Voraussetzungen erlaubte, setzte dem ein Ende.

Greyfriars Kirkyard zeichnet neben seinen besonderen Denkmälern, wie Grabstellen oder Grabsteinen und seiner Lage inmitten eines Wohngebiets, seine Wirkung als Inspirationsquelle für die Geschichte Harry Potter’s aus. J. K. Rowling soll eine längere Zeit in Edinburgh verbracht haben, um sich für die Bücher inspirieren zu lassen und schließlich alle 7 Bände in dieser Stadt zu verfassen.

Offensichtlich wird dieser Zusammenhang erst, wenn man sich ein wenig Zeit nimmt, um die kulturgeschichtlich sehr unterschiedlichen Grabstellen genauer zu betrachten. So finden sich die Grabstellen von Thomas Riddle, Moodie und auch eine Gedenktafel des Dichters William McGonagall. Alle drei tauchen als Romanfiguren in Harry Potter wieder auf, wenn auch der Name “Potter” nicht explizit dort zu finden ist, so doch in der nahegelegenen “Potterow”, in der “Töpferzeile”.
 
Des Weiteren umweht diesen Friedhof die sagenumwobene Geschichte von “Bobby”, einem Skye Terrier, der einem Polizisten gehörte und der nach dessen Tod im Jahr 1858 die nächsten und damit auch die letzten 14  Jahre seines Lebens am Grab seines Herrchens verbracht haben soll.

Lediglich zu einem Mittagsimbiss habe der Hund täglich das Grab seines verstorbenen Besitzers verlassen, um ein Cafe nebenan zu besuchen, in das er eingeladen worden war.  Auf diesem Weg, den er jeweils nach Abfeuerung der Ein-Uhr-Kanone antrat, soll er regelmässig von Schaulustigen beobachtet worden sein. Und trotz des Verbotes, Tiere zu bestatten, soll Bobby auf dem Greyfriars Friedhof heimlich beigesetzt worden sein. An der Stelle, an der sein Grab vermutet wird, wurde sogar eine Gedenktafel mit der Inschrift “Let his loyalty and devotion be a lesson to us all (Lasst seine Treue und Ergebenheit uns allen eine Lehre sein)” aufgestellt. Kurz nach seinem Tod im Jahr 1872 wurde von einem Bildhauer eine lebensgroße Statue Bobby’s angefertigt, die vor einem Pub gleich am Eingang des Friedhofes, aufgestellt wurde und die auch heute noch viele Touristen aus aller Welt anzieht.
Bobby ist wahrlich eine Legende in Edinburgh: Auch Schilder am Eingang des Kirchhofs weisen auf ihn und seine Geschichte hin, und kleine Zettelchen sind hier und da in  der Umgebung zu finden.

An Zäunen, Straßenlaternen oder Hauseingängen zeugen sie von seiner unmittelbaren oder erhofften Anwesenheit: “Bobby loves you” oder “Bobby is here”-Sprüche und vor allem der Pub “Greyfriars Bobby” direkt am Eingang des Friedhofes,  ziehen massenhaft Menschen aus aller Welt an und sorgen somit dafür, dass die Sage von Bobby lebendig bleibt und die Kasse klingeln lässt.
Die Statue vor der Pub-Tür tut sein Übriges. Die Berührung der Schnauze Bobby’s soll glücksverheißend sein. Sie mutet an wie diejenige der 7 Stadtmusikanten in Bremen – golden schimmernd und abgewetzt durch Berührung 😉

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