My home is my castle – Edinburgh to go

Veränderung:

Being patient means to welcome wholeheartedly whatever arises. (Geshe Kelsang Gyatso)

Was erwartet uns in Schottland?

Da fallen Euch wir mir sicher als erstes folgende Dinge ein:

Wiskey, Schafe, Dudelsack, rote Haare gepaart mit heller Haut, Loch Ness, alte Häuser und vor allem lange Steinmauern, Burgen, alte Steinkirchen usw.

Dazu Folgendes:
a) Ja, das gibt es alles und deutlich mehr als ich es von Berlin oder Deutschland kenne.
b) Ich war nur in Edinburgh, von daher kann ich nicht über Schottland sprechen. Das wäre, als würde ich Berlin über ganz Deutschland streifen bzw. Deutschland als Berlin ausweisen. Geht GAR nicht.
c) Gern möchte ich Euch jedoch an unseren Erlebnissen und Entdeckungen in Edinburgh teilhaben lassen 🙂

Unterkunft

Untergebracht haben wir uns selbst über Booking.com in Bonnington in der Beaverbank Place Residence im neueren Teil der Stadt – New Town – ca. 1,5 km vom Bahnhof, also Stadtzentrum, entfernt. Die Unterkunft erschien während der Buchung neu und modern, die Fotos verhießen ein angenehm großes Zimmer mit eigenem Bad und gemeinschaftlich nutzbarer Küche. Und das zu einem – für schottische Verhältnisse – einigermaßen attraktiven Preis.
Ihr ahnt schon, dass es anders kam.

Die Unterkunft ist ein Student Home, ein Studentenwohnheim, das in der vorlesungsfreien Zeit an Gäste aus aller Welt vermietet wird. Wir bekamen ein winziges Zimmer mit einer Nasszelle und waren froh, unser Zelt und die Isomatten doch noch unter eine kleine Tischplatte quetschen zu können. Wie gut, dass es auf dem Festival nicht geregnet hatte und wir nun somit nicht noch das Zelt zum Trocknen, Reinigen und Auslüften haben ausbreiten müssen. Das hätte dann wohl draußen auf dem Parkplatz von Lidl stattfinden müssen.

Ja, es gibt Lidl. Werbeslogan hier: Just a LIDL further 🙂

Und es gibt bei Lidl Schottland natürlich britische und keine deutschen Produkte, wobei eine Sorte “wholegrain rye bread” (Vollkorn Roggen Brot) mit deutscher Fahne geflaggt als ” köstliches deutsches Brot” angepriesen wird und dabei das Dunkelste und Körnigste der Auswahl darstellt.

Nach dem Campen auf dem Festival in der Woche zuvor waren nun eine eigene Dusche auf kurzem Weg (ca. 1m vom Bett) sowie Steckdosen in greifbarer Nähe und für jede von uns sogar 2 davon – was für ein Luxus! Die Küche war jedoch ziemlich dreckig, sodass wir lieber in unserem Minizimmer aßen.

Eine Woche purer Sonnenschein auf dem buddhistischen Festival wurde nun von einer Woche Regen abgelöst – lediglich abends hörte es zwischenzeitlich hin und wieder auf, um morgens direkt wieder los zu legen. Nur an unserem letzten Tag, am Donnerstag, 16.08.2018, regnete es nur morgens ein wenig. So konnten wir zum Ende hin auf einer von uns über die Zeit sehr geschätzten Bank im Park mitten in Edinburgh mit einem Earl Grey Tee und Kaffee und OHNE Schirm sitzen und dem bunten Treiben zusehen. Die Aussicht von dort einfach toll: Vor uns Park, spielende Kinder, vorbeiziehende Paare, Geschäftsleute zum Feierabend, Touristen und einmal auch eine Gruppe von ca. 20 Personen jeden Alters, die mit Kopfhörern bestückt, tanzend und springend auf der Grünfläche sangen und lachten. Wir vermuteten einen gebuchten Lachyoga-Kurs, der animiert von einem rastagelockten und buntgekleideten Mann nach allerhand lustigen Übungen und Liedern tanzend durch die Innenstadt weiterzog.

Ein sehr eigenartiges Gefühl, nach so viel frischer Luft, Meditation, Sonnenschein, Natur und Schlaf im Zelt auf der Isomatte, nun in einem Minizimmer in der Stadt mit Regen zu sein. Es brauchte ein wenig Umgewöhnung. Die schönen, alten Häuser, die kleinen, niedlichen Geschäfte, Pubs und Cafe’s und insbesondere die Spaziergänge quer durch die Stadt, waren jedoch auch nicht zu verachten.

Nach Ankunft suchten wir jedoch zunächst die Laundry – den Waschraum – bestückt mit 7 Waschmaschinen und 7 Trocknern, von denen jeweils (immerhin) ein Gerät funktionierte, auf. Sehr amüsiert stimmten uns diverse Aufkleber auf den Maschinen, die dazu raten, den Waschgang “Super Extra Wash” einzustellen, um saubere Wäsche zu erhalten 🙂 Was passiert also, wenn man die Programme “Eco” oder nur ” Super Wash” einstellt? Kommt die Wäsche dreckiger raus als ursprünglich hinein getan?
Wir wollten es nicht riskieren, da uns die Stadt und unsere Neugier riefen und ließen uns somit von der Werbung einfangen. “Super Extra Wash” wurde gedrückt, die Maschine zeigte “Error” an, dann wurde “Super Wash” gedrückt, die Maschine zeigte “Error” an. Lediglich bei “Eco” war sie gnädig gestimmt und röhrte langsam los. Wenn “Eco” tatsächlich umweltfreundlich sein sollte, dann bitteschön.
30 Min. später wurde dann der Trockner angeworfen, der sich 1,5h Zeit ließ. Inzwischen hatte es sich so richtig eingeregnet.

Wetter

Was wir allerdings über die Tage feststellen mussten: Regen ist nicht gleich Regen in jeder Kultur. Was wir als Regen bezeichnen – angefangen bei Sprühregen – empfinden die Schotten entweder noch als neutrales Wetter, was bedeutet, dass man ohne Schirm oder sonstiger Regenausstattung der Sommerzeit (bei ca. 12 Grad) huldigt und einfach weiterhin in kurzer Hose, Shirt und Stoffschuhen oder Flipflops den Tag verbringt, oder sie ignorieren den Regen einfach aufgrund seiner ständigen Anwesenheit in allen Ausprägungen. Quasi mit der Geburt in Schottland oder mit der Ankunft und dem Wunsch, dort zu leben, assimiliert man automatisch. Der Regen wird scheinbar einfach ignoriert. Diejenigen, deren Hauptausstattungsmerkmal über den Tag das Herumtragen von Schirmen ist, sind eindeutig als Touristen zu identifizieren. Ich weiß nicht, ob ich jemals so oft Jacken an- und ausgezogen habe, wie in Edinburgh. Sprühregen, Nieselregen, Regen in Strömen – Regenexpert*innen hätten ihre wahre Freude an Forschung! Dazu leichter Wind, schwach oder starke Böen aufgrund der See unweit entfernt. Hin und wieder schaute auch die Sonne hervor, jedoch fast immer begleitet von einem Wolkenmeer grauer und auch mal blauer Wolken.

Schaut man sich allerdings einschlägige Portale an, so heißt es dort, dass es a) im August im Jahresdurchschnitt recht wenig regnet *haha* und b) Glasgow doppelt so viel Regen auszustehen hat über das Jahr. Hilfe!!

Stadt

All dies hat uns mitnichten davon abhalten können, die Stadt zu genießen.

Wer jetzt die Auflistung und Beschreibung von den “Must See” Touristenattraktionen erwartet, wird enttäuscht sein und kann sich hier umschauen, was so angepriesen wird und sicher auch einen Besuch wert ist. Einiges davon haben wir auch besucht, doch nicht geplant, sondern weil es sich auf unseren Walks so ergeben hat.

Bisher sind wir in allen Städten einfach drauflos, ohne vorher einen Plan gehabt oder über die entsprechende Stadt gelesen zu haben. Ich empfinde dies als sehr befreiend – frei von Erwartungen und Vorstellungen und auch als sehr bereichernd, weil überall Überraschungen lauern und wir – wie auch diesmal wieder – scheinbar zu Orten geführt werden, die gut und wichtig für uns sind.

In Edinburgh gelangten wir so z. B., ohne dies geplant zu haben, zu vier tollen, ganz alten Friedhöfen sowie zu einem stationären Hospiz und zu einem Krematorium, wo wir einige Zeit verbrachten. Dazu aber mehr in einem Folgepost zum Thema Bestattung für alle Interessierten 😉

Im Unterschied zu Berlin hat Edinburgh EINEN Stadtkern “Altstadt”, wohin man fast automatisch pilgert, wenn man den schönen Gebäuden des Mittelalters folgt. Die bekannten, bunten Haustüren sind auch hier sehr verbreitet.

„Auld Reekie“ nannten die Einwohner Edinburghs einst ihre Stadt – die „alte Verräucherte“. Denn nach der industriellen Revolution vernebelten Fabrikschornsteine die Luft. Heute aber ist der Rauch längst abgezogen und gibt den Blick auf diese wunderschöne Stadt mit ihren mittelalterlichen Gebäuden frei. Grüne Parks lassen Bewohner und Besucher zu Atem kommen; rauchig dagegen ist heute nur noch der Whisky, der in den Pubs die Kehlen hinunter rinnt.
Quelle: www.myhighlands.de/staedte/edinburgh/

Vorab: Wiskeydestillerien und Bierbrauereien haben wir nicht besucht. Dies weil ich zum einen während meines halbjährigen Auslandsstudiums vor laaanger Zeit in Dublin/Irland die Gelegenheit genutzt habe und allerhand dazu gesehen habe und der Besuch dessen auch nicht im Interesse Sonja’s lag und zum anderen weil es so viel “draußen” auf der Straße und in der Natur zu entdecken gibt, das für uns Prio hatte.
Alle Wiskey- und Bierinteressierten: Fahrt selbst nach Edinburgh und schaut Euch um, es gibt auch zum dem Thema viel zu entdecken!

Besondere Orte und Wege

Was ganz hilfreich war und uns auch abseits gewöhnlicher Touristenpfade geführt hat, ist die App “Komoot” (made in Potsdam!), mit der wir nun über Berlin und Umgebung hinaus Wander- und Spaziertouren für Edinburgh entdecken durften. Diese leitete uns beispielsweise auf einem wunderschönen Pfad, dem Ferry Road Path, durch die Stadt. Dieser führt tiefergelegt auf einer stillgelegten Bahnlinie entlang und verbindet verschiedene Stadtteile miteinander. Abseits des Straßenlärms inmitten von Himbeer- und Brombeerbüschen, die scheinbar nur wir allein plünderten, und nur hin und wieder Fußgänger oder Radler treffend, erreichten wir eine große Kleingartenanlage, in der neben kleinen Häuschen und Gärten viel Gemüse (vermutlich für den Eigenbedarf) angebaut wird.

Den ganzen August über findet in Edinburgh das Edinburgh Festival Fringe statt – The world’s greatest platform for creative freedom – so wird es angepriesen. In der ganzen Stadt gibt es Bühnen und Festivalgelände, wo Kleinkünstlerisches, wie Pantomime, Theater, Gesang, Musik, Comedy etc., dargeboten wird. Dadurch ist die Stadt sicher noch voller als ohnehin schon. Nicht nur viele Künstler*innen sind angereist, auch Interessierte und Besucher*innen. In der Altstadt wird rund um die Uhr Programm auf Straßen und Plätzen geboten – selbst wenn man es nicht möchte, ist man mittendrin. So in Straßencomedy-Stücken, in denen das Volk auf der Straße stehend, vorübergehend oder anhaltend als Kulisse oder Schauspieler*in dient.

Für Naturliebhaber*innen und Wanderfreund*innen ist einer der “Hausberge” Edinburgh’s und mit 251m der höchste Berg, Arthur’s Seat, direkt in der Stadt fußläufig erreichbar. Er ist vulkanischen Ursprungs und bietet nach Aufstieg über einen der vielen unterschiedlich anspruchsvollen Pfade eine wunderbare Aussicht über die Stadt bis hin zu den Highlands. Auch einer der vier weiteren “Stadtberge”, Calton Hill, bietet, nah am Stadtzentrum gelegen, eine tolle Rundumsicht mit Blick auf das Meer. Es ist so erstaunlich, wie nah Berg und Stadtzentrum in Edinburgh beieinander liegen. In kürzester Zeit betritt man eine neue Welt. Zuerst waren die Berge und Hügel und nach und nach kamen die Gebäude in das Tal und an den Berghängen dazu. Sind die Städter heute genervt vom Stadtlärm, gehen Sie auf einen der Berge und sind schlagartig draußen in Natur und Ruhe (wenn sich dort nicht die vielen Touristen herumtreiben würden ;-)).

Inmitten der Stadt stehen so einige alte Kirchen, eine jede anders gestaltet, jedoch jede für sich sehens- und erfahrenswert. Diese boten uns immer wieder im richtigen Moment eine Zuflucht weg von Lärm, Menschenmassen und zu vielen Eindrücken hin zu Stille, Meditation und Verarbeitung all des Erlebten.

The Royal Botanic Garden – der köngliche botanische Garten, der im Jahr 1640 begründet wurde, ist ein Idyll aus Blumen, Pflanzen, Sträuchern und Bäumen aus aller Welt. Hier konnten wir u. a. bereits die reichhaltige Pflanzenwelt Nepals betrachten (uns das so hoch im Norden).

Essen und Trinken

Überraschend und schön festzustellen, auch für Menschen, die nicht-alkoholische Getränke präferieren, gibt es in den vielen und gemütlichen Pubs Möglichkeiten, etwas Leckeres zu trinken. Eine Bandbreite an populären Limos und Säften, Smooties und alkoholfreiem Bier gibt es ebenso wie Tees und verschiedene Kaffees. Gerade die Pubs sind oftmals sehr gemütlich in Wohnzimmeratmosphäre eingerichtet und laden zum Verweilen ein. Vegan zu leben erscheint allerdings schwieriger. Vegetarisch ist überall möglich, wenn auch das typisch schottische Frühstück, angelehnt an das britische mit Bohnen, Toast, Spiegelei, gebratenem Schinken etc., und viele andere Gerichte sehr fleischlastig sind.

Impressionen zum Text

Weitere Fotos hier im Album

 

 

 

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