Vortreffen zum Tibettrekking in Freiburg

Wandern:

“Nicht alle, welche wandern, sind verloren.” – JRR Tolkien

Ein Aufruf ereilte uns: Alle, die an der 4-wöchigen Nepal-Tibet-Trekkingtour zum Mt. Kailash mit Umrundung des Berges mitmachen, sind herzlich zu einem Kennenlerntreffen Ende Juli 2018 nach Freiburg eingeladen. Das ließen wir uns nicht 2x sagen – besonders, da wir uns doch etwas “verloren” fühlten. Zweifel waren mittlerweile aufgekommen:

  • Sind wir fit genug für die Tour, auf der wir doch mindestens 21 Tage 5-6 Stunden am Tag auf Höhen zwischen 3.000-5.700m wandern werden?
  • Sind womöglich alle anderen drahtige Bergsteiger*innen, die jedes Wochenende, wenn nicht jeden Tag mal eben eine Alpenüberquerung machen und nun mal zur Abwechselung zwischendurch zum Kailash wandeln?
  • Was ist mit der Höhenkrankheit? Bekommen wir genug zu trinken, was dem wohl entgegenwirken soll?
  • Wie und wo wird die Notdurft hinterlassen? Denn auf einer solchen Reise werden die essentiellen und doch so unbewussten Dinge des Lebens wieder zum Mittelpunkt des Universums.
  • Wie steht es mit Ausrüstung? Was wird tatsächlich gebraucht, was wäre zu viel?
  • Was ist die Motivation der anderen, diese Tour zu machen? Und WER um alles in der Welt tut sich das NOCH an?!

Diese und unglaublich viele weitere Fragen wurden uns beantwortet UND uns fiel ein riesiger Stein vom Herzen.

Ahhhhhhh. Atmen.

Das tat so gut, hat uns allesamt beruhigt und uns wieder der großen Vorfreude zuwenden lassen.

Unser Tourguide – Roman Müller – ist tatsächlich scheinbar der “Quotendrahtige” in der Gruppe. Er wird die Tour mit uns zum 23. oder 24. Mal durchführen. Hach, das reicht doch schonmal für die Beruhigung. 22x oder 23x oder was auch immer. Viel und oft war er da mit Gruppen und lebt noch. Und leuchtet und strahlt. Und sagt: von allen Reisen, die er je gemacht hat und allen Orten, die er gesehen hat, und das waren viele, ist diese Trekkingtour von Nepal nach Tibet diejenige, die am schönsten ist und am nachhaltigsten wirkt.

Das nimmt man ihm unumwunden ab. Ein zutiefst bodenständiger, ruhiger und erfahrener Mann um die 60 (ob wir das nach der Reise noch sagen, lasse ich mal offen 😉 – zudem barfuß unterwegs – schaut uns dabei aus seinen tiefblau-funkelnden Augen an.

Wunderschöne Fotos werden gezeigt. Stille. Was für ein Licht – Weite – Natur…

Lama Anagarika Govinda, der bereits ab 1932 auf Pilger- und Forschungsreisen in Tibet unterwegs war, beschreibt dies wie folgt:

[…] Ein ungeheurer Friede liegt über dieser lichten Landschaft – die Luft ist so klar, dass das Auge über mehr als 100 Meilen schweifen kann. Der Anblick ist überwältigend, alles erscheint so unwirklich und traumhaft… […] Und die Pilger kehren mit strahlenden Augen in ihr Land heim, bereichert durch die Erfahrungen, die für den Rest ihres Lebens eine Quelle der Kraft und der Inspiration sind, denn sie haben von Angesicht zu Angesicht dem Ewigen gegenübergestanden und das Land der Götter mit eigenen Augen gesehen […].

Das wünschen wir uns.

Roman hört sich stundenlang geduldig alle Fragen zum soundsoviel 20igsten Mal an und antwortet genauso ruhig und geduldig, und so schwindet nach und nach die Angst. Der Respekt bleibt – vor der Höhe, der körperlichen Anstrengung, dem Gruppengefüge, dem Auskommen ohne WC und Dusche, aber mit WC-Zelt, was jeden Tag wieder mit uns zieht und an jedem Rastplatz wieder über einer selbst ausgehobenen Grube aufgestellt wird. Was für ein Ausblick bei der Notdurft! Spannend bleibt es dennoch. Und auch, wie und ob sich zusätzlich zu dem so besonderen Sanitärgeschehen noch Magen- und Darminfekte anbahnen. Wir haben allerdings beschlossen, vom besten auszugehen und mit allem, was da kommt, geduldig und freudig umzugehen.

Zudem sind uns traumhafte Bäder in ursprünglichen Bergquellen versprochen – in eisigem Wasser und mit unendlicher Weite und Klarheit. Was will man mehr!? Flußüberquerungen werden wir zu Fuß tun, morgens mit einem heißen Tee im Zelt geweckt werden und in bloßer Natur sein – ohne Pflanzen und Bäume, jedoch von Bergen und Seen umgeben. In Stille wandern. meditieren. Natur und Ruhe genießen. Klöster und Orte besuchen.

Von den wohl 17 Teilnehmer*innen waren 10 in Freiburg bei dem Treffen in der Heilpraktikerpraxis – 2 Männer und 8 Frauen. 10 Menschen aus allen Gegenden Deutschlands – von Freiburg bis kurz vor der dänischen Grenze. Noch scheine ich die Jüngste zu sein, 7 haben wir allerdings noch nicht gesehen.

Die Motivation für die Reise erstreckt sich von “Wandern ist gar nicht mein Ding, aber ich will DAS Licht sehen, ich bin Kunsthistorikerin.” über “Ich wollte schon immer mal nach Tibet.” und “Mein Mann war vor 5 Jahren dabei, das wollte er für sich machen und die Reise hat sein Leben verändert, jetzt ist meine Zeit.” zu “Ich meditiere schon eine ganze Zeit und möchte mich dem Buddhismus annähern.” zu “Der Mt. Kailash ist ein Ort der buddhistischen Mythologie und eine große innere Bedeutung für mich.”

Der Mt. Kailash gilt seit Uhrzeiten für Hindus, tibetische Buddhisten, für die Jainreligion und für die vorbuddhistische, schamanische Bönreligion als heiligster Berg und als Zentrum des Universums (Neue Wege (2018): Detailprogramm – Pilgern zum Berg Kailash).

 

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1 Kommentar

  1. Diese Reise ist bestimmt ganz was besonderes, sowohl von der Natur aber auch spirituell und gleichzeitig wird es eine Reise zu sich selbst sein. Ich bin gespannt, was ihr erzählen werdet, sicherlich seid ihr, die sich wochen- und monatelang darauf vorbereitet habt, noch viel mehr gespannt. Ich wünsche euch eine gute Reise, zu all diesen Orten.

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